Frauke Eckhardt. Foto: Hans Werner Scheuer

Frauke Eckhardt 

Klangmobil, Klanginstrument für den öffentlichen Raum, 4/1999. Foto: Frauke Eckhardt

Klangmobil, Klanginstrument für den öffentlichen Raum, 4/1999 

Trio, interaktive Klangobjekte, 3/2003. Foto: Frauke Eckhardt

Trio, interaktive Klangobjekte, 3/2003 

Schiefer, Wand-Klang-Instrument, 8/2004, 8 Platten in Reihe je 25 x 50 cm. Foto: Frauke Eckhardt

Schiefer, Wand-Klang-Instrument, 8/2004, 8 Platten in Reihe je 25 x 50 cm 

KlangStreicher, Liegekissen mit Audiokern, 2 Mechaniken zur Klangerzeugung, Scheibenwischer auf Holz/Stahlplatte, Piezzo-Schallwandler, Vorverstärker, Verstärker, 4 Lautsprecher, 03/2007, Stadtmuseum Bautzen. Foto: Frauke Eckhardt

KlangStreicher, Liegekissen mit Audiokern, 2 Mechaniken zur Klangerzeugung, Scheibenwischer auf Holz/Stahlplatte, Piezzo-Schallwandler, Vorverstärker, Verstärker, 4 Lautsprecher, 03/2007, Stadtmuseum Bautzen 

Kreislauf, Liegekissen mit Audiokern, Verstärker, Piezo-schallwandler, Klangmechaniken: Gummischieber, Motor, Betonsockel; Materialien des Raums, Goldhalle, Hessischer Rundfunk, 3/2010. Foto: Frauke Eckhardt

Kreislauf, Liegekissen mit Audiokern, Verstärker, Piezo-schallwandler, Klangmechaniken: Gummischieber, Motor, Betonsockel; Materialien des Raums, Goldhalle, Hessischer Rundfunk, 3/2010 

Ort, 360°,	interaktive Klanginstallation Stahl, Fahnenstoff, Drehhocker, Rindenmulch, d.: 2,50 m, h.: 2,40 m, Tholey 2011. Foto: Frauke Eckhardt

Ort, 360°, interaktive Klanginstallation Stahl, Fahnenstoff, Drehhocker, Rindenmulch, d.: 2,50 m, h.: 2,40 m, Tholey 2011 

Der Nächste, interaktive Klanginstallation, Holzgänge Stahl- und Holz-Klangbogen, KlangHocker, Audiotransducer, Verstärker, Piezo-Schallwandler, Kultursommer Rheinland-Pfalz, Katharinenkirche Oppenheim 2012. Foto: Frauke Eckhardt

Der Nächste, interaktive Klanginstallation, Holzgänge Stahl- und Holz-Klangbogen, KlangHocker, Audiotransducer, Verstärker, Piezo-Schallwandler, Kultursommer Rheinland-Pfalz, Katharinenkirche Oppenheim 2012 

Mitte	interaktive Klanginstallation, Holzfurnier, Stahlseil, Piezo-Schallwandler, Verstärker, Funkkopfhörer, Saarländische Galerie am Festungsgraben, Berlin 2012. Foto: Frauke Eckhardt

Mitte interaktive Klanginstallation, Holzfurnier, Stahlseil, Piezo-Schallwandler, Verstärker, Funkkopfhörer, Saarländische Galerie am Festungsgraben, Berlin 2012 

Klangangeln, interaktive Klangobjekte, Angelruten, Hydrophone, Verstärker, Isolationskopfhörer, Klangangelschein, SaarART, Saarbrücken 2013. Foto: Frauke Eckhardt

Klangangeln, interaktive Klangobjekte, Angelruten, Hydrophone, Verstärker, Isolationskopfhörer, Klangangelschein, SaarART, Saarbrücken 2013 

Eckhardt, Frauke

Letzte Änderung: 11/06/2015

Umwandlung

Bei allen interaktiven Klanginstrumenten, die Frauke Eckhardt seit ca. 1998 entwirft, baut und auch technisch umsetzt und meist auch selbst baut, geht es um das Prinzip der Umwandlung. Sensoren tasten Oberflächen ab und die so entstehenden Impulse werden durch eingebaute elektronische Schaltungen wieder hörbar. Kontaktmikrofone verstärken die Geräusche von Besuchern, die auf einem von der Künstlerin arrangierten Ensemble von Stühlen sitzen, kleine Mechaniken lassen an runden Holzscheiben einen Tischtennisball rotieren. Legte Frauke Eckhardt anfangs noch die Orte und Sequenzen der Aktionen in einer Art "Hörpartitur" selbst fest, überlässt sie es später den Besuchern, eigene akustische Wege zu gehen.

 

Es ist also eine persönliche Entscheidung, was, wie, wo und wie lange man etwas hören will. Der Hörer kann und muss eingreifen in einen Prozess, der Klangobjekte in Bewegung setzt und diese in Geräusche, Klangfarben, rhythmische Strukturen umwandelt. Das Hören lenkt dabei automatisch die Aufmerksamkeit auf den Sehsinn. Obwohl dies Phänomen als Synergeieffekt durchaus bekannt ist, hat es bei diesen Arbeiten eine ganz eigene Charakteristik. Die kleinen, mobilen Klanginstrumente von Frauke Eckhardt z. B. mit denen der Besucher seine Umwelt abtasten kann, überraschen durch die Komplexität der selbst erzeugten Hörerlebnisse. Was so komplex klingt, wird auch mit dem Auge wieder gesucht. Plötzlich fragt man sich, wie wohl die Oberfläche eines Straßenbelages, eines Steinfußbodens, eines Sandweges, von Mauern, Holz, Glas, Stoff etc. klingen mag. Durch die geschärfte Wahrnehmung entsteht beim zunehmend sensibilisierten Besucher/Hörer eine wechselseitige Beeinflussung des Hör- und Sehsinns. 

 

Im Gegensatz zu interaktiven Installationen, bei denen der Besucher über virtuelle Datenströme das vor ihm liegende Kunstwerk beeinflussen kann, mögen die interaktiven Erkundungen einfach, fast archaisch erscheinen. Sie sind es aber nur vordergründig. Die Einbeziehung der vertrauten Umwelt steht im Gegensatz zur Perfektion von auf sich selbst bezogenen computeranimierten Cyberwelten und bildet dazu einen bewusst gesetzten Kontrapunkt. Das zum Kunsterlebnis gehörende soziale Umfeld macht individuelle, komplexe und ständig erweiterbare Erfahrungen möglich, die auch von der Sensibiltät und Eigeninitiative des Besuchers abhängen. Ohne virtuellen Überbau verlässt sich Frauke Eckhardt auf das kreative Potential jedes Besuchers.

 

Zu solchen Aktionen gehören Mut und eine gute Portion Eigensinn. Der Agierende wird aufgefordert, nicht nur Entdecker, sondern gleichzeitig auch Performer zu sein. Man könnte von einer doppelten Interaktivität sprechen, die nicht nur zwischen Objekt und Material, sondern auch zwischen dem Handelnden und den ihm zuschauenden Personen stattfindet. 

 

Was bleibt, wenn man die Klangräume und Klangobjekte wieder verlässt, ist nicht die vage Erinnerung an eine künstliche Welt, die man beeinflusst hat, sondern die Entdeckung, dass die vertraute Umwelt interessanter und komplexer erscheint. Frauke Eckhardt erweitert nicht nur unsere akustischen Erfahrungen, sondern sensibilisiert, wenn wir dazu bereit sind, auch unsere gesamte Wahrnehmung.

 

Christina Kubisch

 

Biografie

1968 geboren in Frankfurt a.M.
1991-93 Ausbildung zur Steinbildhauerin, Nürnberg
1993-97 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
Bildhauerei bei Prof. Tim Scott, Tanzskulptur bei Susanne Kirchner
1997-99 Studium der audiovisuellen Kunst bei Prof. Christina Kubisch, Hochschule der Bildenden Künste, Saarbrücken
1999 Diplom mit Auszeichnung, Meisterschülerin von Prof. Christina Kubisch

2000 Stipendium Künstlergut Prösitz, Prösitz 

1. Saarpfälzischer Kunstpreis, regional, Bexbach 

2001 Stipendium der Akademie der Künste, Berlin
Förderpreisstipendium der Stadt Saarbrücken

2002 Stipendium Künstlergut Prösitz, Prösitz
2004 Stipendium Künstlerinnenhof Die Höge, Högenhausen
2006 1. Preis 9. Bautzener Herbstsalon, Bautzen
2009 Stipendium Künstlergut Prösitz, Prösitz

2009-11 Lehrtätigkeit an der HBK Saar, Saarbrücken


Ausstellungen

Einzelausstellungen

1999 "Junge Akademie", Akademie der Künste, Berlin

2002 "RaumKlangRezeptore", Institut für aktuelle Kunst, Saarlouis

2003 "UmRaum – IchZeit", Kulturfoyer, Saarbrücken

2007 "Frauke Eckhardt - Klanginstallationen", Kunstmuseum Bautzen 

2008 "KlangRaum", studioblau, Saarländisches Künstlerhaus

2010 "Kreislauf - Klangkunst in der Goldhalle", Hessischer Rundfunk, Frankfurt a.M.

2012 "Der Nächste", Essenheimer Kunstverein/Kultursommer Rheinland-Pfalz, Katharinenkirche Oppenheim (EA)

 

Ausstelllungsbeteiligungen
2000 "Kulturbro 2000", Kunstmuseum Ystad, Schweden
Saarpfälzischer Kunstpreis, Bexbach
2002 "Werkstatt Junge Kunst", Akademie der Künste, Berlin

"Hörspaziergang", internationales Musikfestival, Denkmalschmiede, Grimma

Förderpreisausstellung der Saar Ferngas AG, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen
2003 "Echo – Skulptur&Klang", internationales Festival, Denkmalschmiede Höfgen
Robert-Schuman-Preis, Villa Vauban, Luxemburg
2004 "Open a.i.r.", Die Höge, Högenhausen

"RaumKlang-KlangRaum", Aspekte internationaler Klangkunst, Köln 

2006 "Sonoric Perspektives", Ostseebiennale der Klangkunst 2006, Rostock, Kunstmuseum Ystad, Schweden 
2008 "Dein Land macht Kunst", Landeskunstausstellung, Saarbrücken
2009 "Klangkunst - A German Sound", Dauerleihgabe der Arbeit KlangStreicher an den Deutschen Musikrat, Bonn

Europäisches Zentrum der Künste, Hellerau

Philharmonie, Lodz; Goethe-Institut, Rom

"Klangkontainer", Hamburg; Berliner Konzerthaus, Berlin
2010  "Nachhall", Sentiers Rouges 2010, Kayl, Luxembourg
"sounding D", Bachhaus Eisenach
"angezettelt!", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken

2011 "2. Gipfelkunst", Tholey

2012 "Ein Fest. Eine Ausstellung des Saarländischen Künstlerbundes anlässlich seines 90-jährigen Bestehens.", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken

"WEITER", Akademie der Künste Berlin, Saarländische Galerie, Berlin

2013 "Saar Art 2013", Landeskunstausstellung, Saarland.Museum, Moderne Galerie, Saarbrücken, o. S.

2015 "#glaubeliebehoffnung - Spuren der Transzendenz in der regionalen Gegenwartskunst", KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken

 

Bibliografie

Monografie 

  • Frauke Eckhardt – UmRaumIchZeit. Hg. Stefan Fricke. Saarbrücken 2004. 
    Mit Beiträgen von: Horst Gerhard Haberl: CyperGloves für die Ohren, S. 6-7; Christina Kubisch: „Ich höre was, was Du nicht siehst“ - Zu den mobilen Klanginstrumenten von Frauke Eckhardt, S. 8-9; Stefan Fricke: Vorwort, S. 5 und Selbst Musik machen ist leichter, als viele denken. Ein Gedanke zur Klangkunst von Frauke Eckhardt, S. 10; Frauke Eckhardt: Klang als Material zur raumzeitlichen Wahrnehmung, S. 11, Carbon, S. 18, RaumKlang Rezeptoren; S. 20, Klanglandschaft, S. 25, Resonanz, S. 26, Klangroller, S. 29, Gegenüber, S. 30, Augenblick, S. 32, Klangmobil, S. 35, In die Ferne, S. 36, Klanginsel, S. 38, Membran, S. 40; Andreas Bayer: Anatomie, S. 15-16; Ernest W. Uthemann: Die Welt als Instrument, S. 42-43; Thomas Milloth: Musikalische Frottage, S. 43-44

 

Sammelschriften 

 

  • HBKsaar diplom ‘99. Hg. Walli Höfinger, Klaudia Stoll, Jacqueline Wachall.  Saarbrücken 2000, o. S.
  • Saarpfälzischer Kunstpreis 1996 1998 2000. Hg. Stadt Bexbach. Homburg 2000, o. S. 
  • Junge Akademie in der Galerie Buch. Hg. Akademie der Künste Berlin. Berlin 2000
  • Symposium für Bildhauerinnen mit Kindern „8. Bildhauerwerkstatt 2000“. Hg. Künstlergut Prösitz e. V.  Berlin 2000, o. S. 
  • Anatomie - Künstler auf Visite. Hg. KunstOrt e.V. Saarbrücken 2002, S. 34-35
  • Visionen 2000, Kunstszene Saar. Hg. Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Saarbrücken 2000, S. 38-39
  • Porte donnant sur la voie 2. Metz 2001, S. 8-9
  • Mein Aldi-Mon Cora-De Lux. Hg. Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken e.V. Saarbrücken 2002, S.
  • Förderpreis Junge Kunst 2002. Hg. Saar Ferngas AG. Saarbrücken 2002, S.
  • Klang als Material zur raumzeitlichen Wahrnehmung. Zeitschrift für neue Musik, 1/2003, Schott Musik International. Mainz 2002, S.
  • Kunstpreis Robert Schuman. Luxemburg 2003, S.
  • saarbrücker hefte /Galerie. Hg. Verein Saarbrücker Hefte e.V. Saarbrücken 2004
  • Departure Arrival. Hg. Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Ernest W. Uthemann, und Akademie der Künste, Berlin, Angela Lammert. Bielefeld 2004, S. 16-19
  • Gutsherrinnen. Hg. Künstlergut Prösitz e.V. Prösitz 2004, S.
  • RaumKlang-KlangRaum. Hg. Peter Kiefer. Köln 2004, S. 
  • Pro Figura – (K)eine Zeit für Paradiese. Hg. Bautzener Kunstverein e.V. Bautzen 2006, S. 
  • Schönwetterkunst. Katalaog zur  Ausstellung im Alten Schloss Dillingen anlässlich der Pro Solar ‘97 in Zusammenarbeit mit der HBK Saar und der Zukunftswerkstatt Saar e.V. Dillingen 2007, o. S.
  • studioblau 08. Hg. Saarländisches Künstlerhaus e.V. Saarbrücken 2008, S.
  • sentiers rouges 2010. Hg. CIGS Arichipel-OPE. Luxembourg 2010, S. 
  • Klangräume der Kunst. Hg. Peter Kiefer. Heidelberg 2010, S. 
  • angezettelt! Hg. Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken e.V. Saarbrücken 2010, o. S.
  • WEITER. Hg. Akademie der Künste. Berlin 2012, S. 
  • SaarART 2013. Hg. Andreas Bayer. Saarbrücken 2013, Band 1, S. 104-105 und Band 2, S. 78

 

Homepage

www.fraukeeckhardt.de

 

Quelle

Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Eckhardt, Frauke (Dossier 4808)

 

Redaktion: Claudia Maas

 

 


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