Susanne Specht
Wasserstein, 1988, Granit, 100 x 200 x 250 cm, Tiergartendreieck/Berlin
Quelle, 2001, Granit, 100 x 250 x 100 cm, Tiergartendreieck/Berlin
Wassertor, 2001, Granit, 250 x 120 x 320 cm, Tiergartendreieck/Berlin
Wassersessel, 2001, Granit, 100 x 100 x 100 cm
Silentium, 2002, Juramarmor, 100 x 300 x 200 cm, Nuthepark/Potsdam
Lights to the sea, 2007, Marmor, 20 x 250 x 100 cm, Bodrum/Türkei
Lights to the sea, 2007, Marmor, 20 x 250 x 100 cm, Bodrum/Türkei
Bedacht, 2005, Eklogit, zweigeteilt, 16 x 44 x 33 cm
Dreieck, 2005, Eklogit, dreigeteilt, 40 x 28 x 17 cm
Helles Feld, 2005, Eklogit, zweigeteilt, 42 x 33 x 16, cm
Intermundien, 1998, schwarzer Granit, mehrteilig , ca. max. 110 x 95 x 125 cm
Paradies, 1999, schwarzer Granit, variabel, H= 160 –250 B= 60 cm
Innenklänge, 2001, schwarzer Granit, 32 Teile, Länge zwischen 60 und 120 cm
Lange Bank, 2006, Roter Beton, 5 Teile à 85 x 400 x 75 cm, Pankeufer/Berlin
Matrix2_20, 2007, Roter Beton, 20 Teile, 20 x 120 x 140 cm
Matrix3_6, 2007, Roter Beton, 6 Teile, 25 x 60 x 60 cm
Im Fluss, 1995-99, Graphit, 43 Teile à 60 x 20 cm
Melodien, 2002, Tusche und Sandstrahlglas, 9 Teile, 75 x 100 cm
Weiße Linie im schwarzen Feld, 2003, Graphit, 24 x 30 cm
Haufen VII, 2005, Graphit, 29 x 42 cm
Fenster-Schlitz, 2007, Graphit, 42 x 49 cm
Experimentierfreude und Offenheit zeichnen das Schaffen der Bildhauerin Susanne Specht aus. In ihren Skulpturen und Zeichnungen – mögen sie noch so massiv oder dicht erscheinen – finden sich immer Fenster, Nischen, Spalten oder Stufen, die Wege nach innen und außen zeigen und diese durch Reflexionen zu multiplizieren vermögen. Formal und inhaltlich erschließen sich Blickachsen oder Denkmodelle, die die Augen öffnen für die Sinnlichkeit des verwendeten Materials, für stimmige Proportionen, das Zusammenwirken von Architektur und Natur, für Zwischenräume, Fragmente und vieldimensionale Teile, die ein neues Ganzes ergeben können, aber auch im Kleinen ihren eigenen stimmigen Kosmos entfalten. Auch wenn die großformatigen Außenskulpturen ganz bewusst Orte definieren und diese noch so gravitätisch besetzen, lassen sie doch größtmögliche Freiheit für Bewegungsabläufe und Denkräume.
Als Studentin der Hochschule der Künste Berlin in der Klasse von Michael Schoenholtz spielte zunächst der Mensch eine zentrale Rolle im Werk der jungen Bildhauerin. Der Körper setzt Maßstäbe an Proportionen. In seiner Darstellung verbindet sich Gesehenes mit Gedachtem, zeigen sich Geometrie und Individualität sowie Zusammenhänge von innen und außen, von Bewegung, Masse, Raum, die nicht zuletzt in Einklang mit den Eigenschaften des Materials gebracht werden wollen. Die dort gewonnenen Einsichten prägen das Werk bis heute. Susanne Spechts Skulpturen zeigen, wie sich Intuition, Erfahrung und präzise Beobachtung zu gleichermaßen abstrakten wie naturnahen Entwürfen vereinen lassen.
Skulpturen
Stein war und ist Ausgangspunkt ihres über drei Jahrzehnte gewachsenen Oeuvres. In ihm manifestiert sich Zeit und Ausdauer - in den kleinformatigen Feldsteinen genauso wie in den gewaltigen Granit- und Marmorblöcken. Das Material Stein bedeutet für Susanne Specht jedoch auch Begrenzung. Es lässt sich nicht gegen dessen "gewachsene" Schichten und Strukturen arbeiten. Die Idee liegt im Stein. Diese aufzuspüren, offen zu legen oder zu betonen, sich vom Material leiten zu lassen, um dabei nicht zuletzt dem dort - im Innern - entdeckten geometrischen oder architektonischen Vokabular zu folgen, ist das Thema dieser Skulpturen. Zum Stein, insbesondere zu den Eklogiten (ekloges, griech.= auserlesenes Gestein), die sie in Franken als äußerlich gänzlich unauffällige Rohlinge findet, kehrt die Bildhauerin immer wieder zurück. Nie abgeschlossen, von Dauer geprägt, bildet die Auseinandersetzung und Befragung des Steins den Kern ihres Werkes.
Mehrdimensionalität in jeder Hinsicht zeichnet das Werk von Susanne Specht aus. Es öffnet sich dem Betrachter, bezieht ihn ein, setzt Seh-Impulse, zeigt Blickwinkel im Innern und weist gleichzeitig Wege nach außen. Die Arbeiten manifestieren Möglichkeiten in Zeit und Raum.
Feldsteine und Steinarbeiten für den Außenraum
Natur und Architektur sind die übergreifenden Themen der Skulpturen und Zeichnungen von Susanne Specht. Sie beziehen den Menschen aktiv ein, der sich spielerisch intuitiv mit dem Stein auseinander setzt, sich an dessen Größe messen, den Blick fokussieren oder weiten kann, um Einsicht und Aussicht gleichermaßen zu erfahren.
Geometrie, Architektur sowie Archetypisches klingen im kleinen wie im großen Maßstab an, zeigen sich im Innern der Eklogite genauso, wie in den Arbeiten für den Außenraum. Treppen, Tore, Fenster sind wiederkehrende Motive. Neben diesen eher statischen Formen, spielt das Element Wasser als spiegelnde Illusion insbesondere bei den Skulpturen für den Außenraum eine nicht minder tragende Rolle. Nicht zuletzt ist das Licht bei diesem Spiel mit Kontrasten, mit matten und glänzenden Flächen, gerade im Außenraum von entscheidender Bedeutung. Während die unbearbeiteten Flächen lediglich heller oder dunkler erscheinen, reflektiert es in den polierten Ausschnitten, wird zum stillen See oder zum Seh-Fenster im Kosmos Stein.
Betonarbeiten
Losgelöst von den über Jahrtausende gewachsenen Vorgaben, denen Susanne Specht mit ihren Feldsteinen nachspürt, eröffnen sich mit den Beton-Modulen vielschichtige und gleichwohl systemimmanente Möglichkeiten, Räume horizontal oder vertikal frei im Raum zu entfalten. Der Stein ist noch immer im Material enthalten, doch lässt er sich als Beton in jede gewünschte Form gießen, multiplizieren und mit Farbpigmenten versetzen.
Jedes Modul wird anhand von Modellen auf Proportion und Spielräume im Einzelnen sowie im Miteinander entwickelt. Jede Seite soll die unterschiedlichsten Öffnungen, Einblicke, aber auch geschlossene Flächen und Räume sowie deren Teilungen ermöglichen. Potenziert durch Drehung und Reihung, eröffnen sich zahllose Varianten, die sich gedanklich fortsetzen oder auf die Ursprungs-Matrix zurückführen lassen. Diesen abstrakten, frei strukturierten architektonischen Skulpturen verleiht Farbe Individualität: Je nach Dichte des Materials, changieren die Bau-Steine in fein abgestuften Tönen, die über die Farbe von der Außenhaut zurück zum Material führen. Werkstoff und Werk bilden auf diese Weise eine in sich geschlossene Einheit.
Industrieprojekte
Steinerne Fundstücke, nicht aus der Natur, sondern als individuelle Reste und Abfallprodukte unserer Zivilisation, erfahren durch Reihung und sparsame Bearbeitung eine Umwidmung in autonome Kunstwerke. Aus Negativformen, Bohrkernen oder entkernten, fragilen Granitblöcken werden durch lineare Einschnitte und durch beharrliches Polieren Skulpturen, die auch in der jetzigen Gestalt das Vergangene offen sichtbar in sich tragen. Je nach Raumsituation finden diese subtil bearbeiteten Industrierelikte als gleichsam körperhaft präsente „verlorene“ Formen zu immer neuen Zwischenstadien.
Zeichnungen
Nicht der individuell gezeichneten Linie gilt das Hauptaugenmerk der Künstlerin. Vergleichbar den langsamen bildhauerischen Prozessen wird auch das Zeichnen als Handlung begriffen, das nicht spontane Geste, sondern Stetigkeit vermittelt. Die Arbeiten auf Papier stellen weniger Skizzen oder Entwürfe dar, als vielmehr eigenständige Auseinandersetzungen mit der Strukturierung einer Fläche hin zu gebauten oder geschichteten Volumina. Feine Ritzzeichnungen erzeugen eine kaum wahrnehmbare räumliche Situation im Papier und dienen als Gerüst eines dicht an dicht mit Graphitstrichen erzeugten Raumkörpers, der an Architekturen aus Strohballen erinnert und gleichzeitig mit schmalen Seh-Schlitzen auf die Skulpturen Susanne Spechts verweist. Lichte und dichte Flächen betonen die Architektur dieser Monumente, ohne sie jedoch in einem definierten Raum zu verorten.
Tusche
Basis ist allein das Papier, auf dem sich in den so genannten Objektzeichnungen Tusche ihren Weg bahnt: vom stempelgleichen ersten tiefschwarzen Druck bis zum lichten Ende der Bewegung, mit dem sich beim Ausstreichen die Flüssigkeit verliert. Auf den ersten Blick scheinen die kastigen Rahmungen charakteristisch für diese Werkgruppe zu sein. Darüber hinaus betonen fenstergleiche Einblicke durch sandgestrahltes Glas weit subtiler die räumliche Dimension. Sie führen das Auge gleichsam in Schichten in das Zentrum des Blattes. Dort öffnet sich ein präzise umrissener Ausschnitt, der einmal erfasst in der Umkehrung zum Kern des Motivs wird, das sich als Serie ausbreitet und durch Rahmung und Fenster rhythmisch strukturiert wird. Ganz beiläufig und selbstverständlich springt der Blick vor und zurück, fokussiert und verliert sich, um im mehrteiligen Werk das Spiel aus eng beieinander liegenden und weniger dicht gesetzten Linien als vielschichtige Komposition zu einer stimmigen "Melodie" zu erfahren
Birgit Möckel
Biografie
1958 geboren in Saarbrücken
1980-86 Hochschule der Künste, Berlin
Meisterschülerin bei Prof. Michael Schoenholtz
1986-88 Nachwuchsförderstipendium Nafög Berlin
DAAD-Studienaufenthalt, Bretagne/Frankreich
1987 Kunstpreis Zweibrücken
1989-91 Atelierstipendium der Karl-Hofer-Gesllschaft,
Arbeitsstipendium des Senats von Berlin
1990-91 Stipendium der Eurocreation / Pepiniere, Niort/Frankreich
1994-2000 Dozentin/künstlerische Mitarbeiterin an der Universität der Künste, Berlin
Leitung der Grundlehre Skulptur für Freie Kunst und Kunsterziehung
2003 Lehrauftrag, Archäologisches Institut Universität Würzburg
2008 Berufung an die Hochschule Niederrhein, Krefeld
Mitglied des Deutschen Künstlerbundes
Gründungsmitglied Sculpture Network Europe
Ausstellungen
Einzelausstellungen
1994 Guardinistiftung, Berlin
1995 Schloß Wolfsburg (K)
1997 Galerie Linneborn, Berlin; Kunst in der hinteren Halle, Hof
1998 Bildhauerfoyer, Constanze Presse Haus, Berlin (K)
1999 Atrium der Deutschen Bank, Berlin; Abtei St. Mauritius mit Klosterarbeiten von Frater Markus Arnld OSB, Niederalteich
2002 Kunstverein, Hof
2003 Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K); Galerie König, Münster
2006 Galerie Linneborn, Berlin; Galerie Schlassgoart, Luxembourg (K)
2007 Galerie Finearts Con.tra, mit dem Maler Hermann Rudorf, Berlin; Kunstforum der IBB, mit dem Maler Hermann Rudorf, Berlin (K), Kunstforum Schwäbisch Hall; Museumsdorf Baruther Glashütte, Galerie Packschuppen
Ausstellungsbeteiligungen
1989-95 Große Kunstausstellung, Haus der Kunst , München
1990 "Altarbild - Geist und Körper", Deutsches Museum für Geschichte, Berlin(K); "Kunstszene Berlin West", Martin Gropius Bau, Berlin (K); "Großplastik 90/91", Korntal-Münchingen (K); "Plastik im Freien, Stuttgart (K)
1991 "Konvergenzen", Ost-Westprojekt Festspielgalerie, Berlin (K); Kunstverein Coburg; Haus am Lützowplatz, Stipendiaten der Karl Hofer Gesellschaft, Berlin (K)
1992 "Turbulenzen“l, Institut für Wasserbau und Wirtschaft, TU Berlin (K); "Kunst und Norm“ DIN-Institut, Berlin (K)
1993 "Stein, Natur + Kunst", Neckarwerke Esslingen (K); "Bildhauer I", Kulturamt Weißensee (K); Galerie de Lèsplanade La Defense, Paris (K)
1996 Skulpturenpark am Klostersee, Lehnin; Klostermuseum Jerichow
1997 Skulpturenpark am Klostersee, Lehnin
1999 Künstlerbahnhof Westend, Karl Hofer Gesellschaft, Berlin
2000 Skulpturen1, Galerie Nothelfer, Berlin; "Visionen 2000", Museum St. Wendel (K)
2001 Orte am Fluss, Buga Potsdam
2003 Haus am Kleistpark, Berlin
2004 Kunststverein Ellwangen (K); "Im Augenblick", Kunstszene Saar, Museum St. Wendel (K)
2006 Skulpturenpark Seddiner See in Zusammenarbeit mit Galerie Ruhnke, Potsdam; Internationale Skulpturentriennale Posen, Polen (K)
2007 "Cosmos“ , Galerie Nord, Kunstverein Tiergarten Berlin; Kunst in der hinteren Halle, Hof, mit dem Maler Hermann Rudorf und Wolfgang Paasch; 8 Positionen aus Berlin, Hotel Krautkrämer Münster
2008 "Dein Land macht Kunst", Saarlandmuseum Saarbrücken (K); Krautkrämer, Münster (K); Klosterruine Berlin Mitte; Land(Schafft)Kunst II, Neuwerder
2010 "Stone Project", Yorkshire Sculpture Park, West Bretton, UK; "angezettelt!" 25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
Werke in wichtigen Sammlungen
Werke im öffentlichen Raum
Bibliografie
Monografien
Sammelschriften
Quelle
Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Specht, Susanne (Dossier 4040)
Redaktion: Claudia Maas
letzte Änderung: Montag, 19.04.2010