Monika von Boch, Selbstportrait, 1958
Arbeitstreffen der "neuen gruppe saar" im Atelier Monika von Boch, von links: August Clüsserath, Jo Enzweiler, Heinz Bug, Inge Neu, Rolf Duroy, Hans-Willi Scherf, Monika von Boch, 1962
Weißblechserie, I + II a b, 1963
Weißblechserie, XVIII b 1, 1970
Samenflügel der Fichte, Fotogramm, 1963
durchbohrete bewegte Glaskugel, 1. 23, Fotogramm, 1972/77
Knüppelbild, 1958, Fotogramm
Moos/Sporenträger, 1958, Fotogramm
Tassen, Negativdruck, 1961/69
Bogengang in Touggourt, Algerien, Negativdruck, 1954
Buchen im Schnee, Fotografie
Apfelbaum im Schnee, Hommage à Mondrian, Fotografie, 1968
Wandbild, 1974, Universitätsklinikum Homburg / Medizinische Fakultät
Monika von Boch - die Natur des Abstrakten
Monika von Boch fotografiert bis zu ihrem fünfunddreißigsten Lebensjahr als Amateurin. Hauptsächlich verarbeitet sie Natur- und Landschaftseindrücke, die sie in ihrer heimatlichen Umgebung und auf Reisen gewinnt. Erst 1950 schreibt sie sich in Saarbrücken an der Schule für Kunst und Handwerk bei Otto Steinert ein und besucht dort bis 1957 seine Abendkurse.
Von 1951 bis 1963 arbeitet sie für Villeroy und Boch als Werksfotografin. Nachdem sie diese Tätigkeit aufgegeben hat, widmet sie sich der Fotografie fast ausschließlich aus künstlerischem Interesse. In der Fotoklasse bei Otto Steinert übt sie ihren Sinn für kompositorische Probleme und die Arbeit in der Dunkelkammer. Von diesem Zeitpunkt an ändert sich ihre Fotografie entscheidend. Sie macht sich mit experimentellen Techniken vertraut und praktiziert diese im Sinne eines gestalterischen Eingreifens in den fotografisch-technischen Prozeß. Es entstehen Bilder, die ein starkes Interesse an der Abstraktion bezeugen. Bilder, die weder das menschliche Auge noch die Kamera allein produzieren können, stellen das subjektive Element menschlichen Zutuns in den Vordergrund. Beachtenswert ist aber, dass Monika von Boch sich nie von den Natur- und Landschaftsthemen, die sie schon vor der Ausbildung bei Steinert entworfen hat, distanziert. Sie verfährt in ihrer gesamten fotografischen Schaffensphase zweigleisig: Einerseits existiert das enorm ausgeprägte Interesse an der Natur und andererseits das stärker konstruktiv-produktive Gestaltungsinteresse mithilfe des Experiments. Beide Wege sind gleichermaßen künstlerischer Art, repräsentieren jedoch zwei unterschiedliche Ansätze des Künstlerischen in der Fotografie. Während die Kameraaufnahmen sich auf das kreative Moment des Sehens selbst berufen, sind die experimentellen Techniken mit der künstlerischen Avantgardfotografie der zwanziger und dreißiger Jahre verbunden. Der erste Ansatz sucht das Künstlerische vom Standpunkt der Fotografie aus abzuleiten, der zweite, die Fotografie als künstlerisches Medium von seiten der Kunst zu legitimieren. Sind es doch Künstler wie Man Ray oder Lazlo Moholy-Nagy, die sich den gestaltenden Experimenten widmen, und ist es der Fotograf Albert Renger-Patzsch, der die fotografische Ästhetik von dem Kunstschönen zu trennen sucht. Beide Ansätze sind in der Fotografie Monika von Bochs ablesbar und durchziehen ihr gesamtes Werk. Ihr gelingt es, beide Wege zu verfolgen, ohne sich in Widersprüchen zu verfangen.
Monika von Boch zeigt mit ihren Fotografien elementare Strukturen, mittels der Kamerafotografie wie auch mittels der Abstraktion. In ihrer Kamerasicht wie in der experimentellen Bearbeitung bekennt sich die Künstlerin zur naturhaften, organischen, ungeometrischen Form, seien die Abweichungen von der Geometrie auch noch so minimal. In vielen Beispielen ist dann auch eine frappante Ähnlichkeit von Kameraaufnahmen und Bildern, die unter experimentellem Zugriff entstanden sind, abzulesen, selbst wenn die Bildgegenstände sich von ihrer Wesensart, ihrer begrifflich-lexikalischen Ordnung gänzlich fremd sind. Monika von Bochs universale Größe ist die Natur und ihre Struktur. Sie bringt das fotografisch-Naturschöne mit dem fotografisch-Kunstschönen in Vereinbarung. Ihre fotografischen Bilder vertreten stets den Anspruch autonomer Kunstwerke.
Frühe Landschaftsbilder der Künstlerin, die vor der Ausbildung bei Steinert entstanden sind, zeugen von einer symbolisch aufgeladenen Mystik der Motive. Spiegelungen von Schilfrohr im Wasser verweisen auf ähnliche Motive von Albert Renger-Patzsch.
Die Schülerarbeiten verdeutlichen, dass im Unterricht Steinerts sehr großer Wert auf Kompositionsübugen gelegt wurde. Er pflegte Arbeiten, die seine Zustimmung fanden, mit seinem Namenskürzel "ST." zu versehen. Vier Bilder tragen das Lehrersignet auf der Rückseite. Am Beispiel von zwei Fotografien, die in der Nähe von Maria Laach aufgenommen wurden, wird deutlich, wie Steinert seine Kritik an Schülerarbeiten äußerte. Mit rotem Kugelschreiber wird in das Bild geschrieben, was verbessert werden muß. Eine korrigierte Fassung desselben Motivs weist auf den Eigensinn von Bochs hin – sie hält sich nicht an die Weisung des Lehrers. Auch der neue Abzug findet nicht die Zustimmung Steinerts. Das bezeugt, dass Monika von Boch schon mit entwickelten fotografischen Vorstellungen in seinen Unterricht kam. Das wird auch deutlich, wenn sie bei dem Bild mit den Ackerfurchen "Dyck" bereits frühe zeichnerische Formulieren des Themas aufgreift. Hier kristallisiert sich schon das Interesse für das Landschaftsbild als Strukturbild heraus, auf das sie in den siebziger Jahren wieder zurückgreifen wird.
1954 nimmt Monika von Boch an der von Steinert organisierten Ausstellung "subjektive fotografie 2" mit dem Bild "Bogengang in Touggourt" teil. Die Arbeit zeigt als Negativabzug (Papierabzug von einem Diapositiv) einen Arkadengang in der algerischen Wüstenstadt Touggourt. Das Arkadenmotiv mit seinen harten Schlagschatten ist in der Fotografiegeschichte schon im 19. Jahrhundert eingeführt. Man denke an die Aufnahme der Säulenarkaden der Pariser Madeleinekirche von Hyppolyte Bayard oder später auch an Rengers Essener Bahndammbögen. Der Schatten führt bereits dort ein fotografisches Eigenleben. Er genießt die Autonomie vom schattenwerfenden Objekt und thematisiert damit ein spezifisch fotografisches Sehen. Bei Monika von Boch wird dieses fotografische Moment durch die Verkehrung von Positiv und Negativ noch stärker hervorgehoben. Nicht zu vergessen ist der Kontext der Algerienreise, der dem Bild zugrunde liegt. Die Verkehrung von Schwarz und Weiß in der Fotografie thematisiert geradezu die fremde weiße Sicht auf den schwarzen Kontinent in der fotografischen Verfremdung. Die Reise nach Afrika ist für Monika von Boch im wahrsten Sinne des Wortes eine fotografische Reise. Die Bildreportage der Expedition widmet sich konsequenterweise auch weniger den aktuellen politischen Spannungen in Algerien (Befreiungskrieg 1954-62), sondern vielmehr dem fremden Blick nicht auf eine französische Kolonie, sondern auf eine traditionale Gesellschaft unter extremen Lebens- und Lichtbedingungen. In den Algerienbildern zeigt Monika von Boch eine besondere Sensibilität für die traditionell-moslemische Trennung der Männer- von der Frauenwelt. Auch in diesen dokumentarischen Bildern thematisiert sie ein generell fotografisches Moment. Die „Mutter der Nomaden“ kehrt den neugierigen weißen fotografischen Blick um. Sie blickt als Schwarze aus erhöhter Position aus dem Bild heraus und direkt observierend auf die weiße Fotografin respektive den weißen Betrachter. Fotografisch gesprochen, zeigt Monika von Boch hier ein Negativ des weißen Blicks.
Der "Bogengang in Touggourt" ist von Bochs erstes experimentell gestaltetes Bild und zweifelsfrei ihr Durchbruch in die Öffentlichkeit. Kurz nach der von Steinert organisierten Ausstellung 1954 wird die Fotografie von Karl Pawek in der Zeitschrift "Magnum" publiziert. Magnum ist eines der wichtigsten Organe für das Kunst- und Kulturleben in den fünfziger Jahren. Pawek macht sich stark für die junge künstlerische Fotografie. In seinem theoretisch gehaltenen Buch "Totale Photographie" aus dem Jahr 1960 plädiert er für eine abstrakte Fotografie und gleichzeitig für ein abstraktes Verständnis auch der darstellenden Fotografie.
1960 beteiligt sich Monika von Boch an der Ausstellung "Ungegenständliche Fotografie" in Basel. Kein Geringerer als Edward Steichen, Organisator der weltbekannten Ausstelllung "The Family of Man" und damaliger Leiter der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York entdeckt sie. Für das Museum veranlaßt Steichen den Kauf zweier Fotografien von Monika von Boch, „Verschneiter Wald am Wildacker“ und "Fichtenkultur Dabo". Beide Bilder vermitteln im Landschaftsbild eine Konzentration auf rhythmische Linienwiederholung. Der "Verschneite Wald am Wildacker" wird hier in der ersten Ausführung gezeigt. Im Unterschied zu der später mittels Reproduktion verstärkten Schwarz-Weiß-Kontrastierung, ähnelt dieser, die Grauwerte hervorhebende Abzug noch sehr stark an Versionen des Themas "Wald im Schnee" von Albert Renger-Patzsch. In Basel werden auch die "Zitterbäume" ausgestellt. Monika von Boch betont die harten Schwarz-Weiß-Effekte und erweitert sie um ein Bewegungsmoment. Der "Fehler" der Unschärfe wird zum gestalterischen Mittel, das von der neusachlichen Fotografie nie akzeptiert worden wäre. Weniger bekannt sind zwei Fotogramme von Glasschlacken, die ebenfalls um 1959/60 entstanden sind. Im Gegensatz zu den oben genannten linear betonten Waldbildern widmet sich die Fotografin hier einer amorph-organischen Formgebung, die zuweilen an Werke der informellen Malerei von Karl Otto Götz erinnert. Aber auch in der zeitgenössischen Fotografie findet man Parallelen in den Chemigrafien, etwa von Pierre Cordier oder Chargesheimer, die ebenfalls in den Ausstellungen "subjektive fotografie" vertreten waren. Monika von Boch arbeitet die Materialeigenschaften des Glases, einer erstarrten Flüssigkeit, heraus. Sie bezieht sich damit auf einen Strukturbegriff, wie ihn Lazlo Moholy-Nagy prägte. Während sie in der "Fichtenkultur Dabo" mit Hilfe des Negativabzugs die Oberfläche der Pflanzenformation herausarbeitet, dringt Monika von Boch in den Glasschlackenfotogrammen in das innere Wesen des Materials ein. Moholy-Nagy würde im ersten Fall von Textur und im zweiten Fall von Struktur sprechen.Während ihrer Tätigkeit als Werksfotografin bei Villeroy & Boch (1951-1963) entstehen nicht nur Sachaufnahmen der in dem Unternehmen produzierten Waren und Bildreportagen zu Fertigungsprozessen. Viele Motive aus der Fabrik reizen Monika von Boch zu freien Arbeiten, die teilweise in der von ihr und zeitweilig auch von Kilian Breier mitbetreuten Firmenzeitschrift "Keramos" publiziert werden. Die serielle Rhythmik dieser industriellen Motive erinnert auch an Arbeiten aus dem Kontext der straight photography (Margaret Bourke White) repektive der Neuen Sachlichkeit (Willi Moegele). Ein entscheidender Unterschied der an dem Beispiel gestapelter "Tassen" evident wird, liegt aber im experimentellen Verfahren der Tonwertumkehrung. Die Tonwertverkehrung ist bereits in den zwanziger Jahren häufig als Verfremdungsmittel in der Fotografie praktiziert worden. Gerade aber die Anwendung dieses Verfahrens in der industriellen Motivik bedeutet eine Umwertung der Sachfotografie hin zum autonomen Bild. Das Bild erfüllt kaum noch die Anforderungen, die an eine Sachfotografie gestellt werden. Objektive Informationen zum dargestellten Gegenstand sind nicht mehr zu entnehmen. Die Tonwertverkehrung zeigt auf dem Abzug das originäre Bild, das in der Kamera auf Film erzeugt wird. In der chemischen Entwicklung werden die belichteten Stellen des Films geschwärzt. Die Fotografie stellt also zunächst ein unwirkliches Bild her. Nur über den Umweg einer nochmaligen Belichtung auf Papier, einer nochmaligen Verkehrung von Schwarz und Weiß, entsteht ein naturalistisches Bild. Es erscheint also der herkömmliche Positivabzug als ein die Fotografie verfremdendes Verfahren. Der Negativabzug bleibt der Fotografie treu, verfremdet aber die Wirklichkeit.
Ein in der optischen Wirkung ähnlicher Effekt wird durch die extreme Beleuchtung in der Aufnahme eines Bohrertabletts erzielt. Durch hartes Schlaglicht ist die Unterscheidung in Schatten und Objekt kaum noch nachzuvollziehen. Der extrem grafische Effekt wird hier über die Inszenierung der Lichtverhältnisse und nicht durch ein direktes Eingreifen in den fotografischen Prozeß erreicht. Dennoch wird der Abbildungscharakter des Bildes aufgelöst. Das Bild konzentriert sich auf das rein fotografische Mittel der Fixierung von Licht und Schatten. Was bleibt, ist eine Lichtstruktur und damit in Reinform das, was das fotografische Material registriert: Licht und Nicht-Licht.
Ende der fünfziger Jahre – Steinert geht 1959 an die Folkwangschule in Essen – arbeitet Monika von Boch sehr eng mit Kilian Breier zusammen, der Assistent bei Steinert und Oskar Holweck an der Saarbrücker Schule für Kunst und Handwerk gewesen ist. Breier gelingt es, eine Gruppe zu formieren, die sich explizit der Fotografik widmet. Zu dieser Gruppe gehört auch Monika von Boch. In dieser Zeit entstehen bemerkenswerte Pflanzenfotogramme, teils von einer kräftigen, nahezu malerisch anmutenden Lichtfaktur geprägt, die an das gestische Moment in der informellen Malerei erinnert, aber auch streng lineare Gräserfotogramme. Minimalistische Abweichungen von der geometrischen Linie, etwa durch Verdickungen der Grasähren, machen den Reiz dieser Bilder aus. Pflanzenfotogramme sind Urbilder der Fotografie. Im neunzehnten Jahrhundert gehören sie zu den experimentellen Pionierleistungen der ersten Fotografengeneration. Im Kontext der Kunst Ende der fünfziger Jahre erinnert dieser Bezug auf die Stunde Null der Fotografie an die Gruppe Zero, die auf einen Nullpunkt der Gestaltung zurückkehren wollte. Mit der Minimalisierung der gestalterischen Mittel hat man einen Neubeginn der Kunst initiieren wollen. In der Fotografikgruppe um Kilian Breier formiert sich eine gezielte Distanz zur subjektiven Fotografie Steinerts. Die Konzentration auf den fotografischen Künstler weicht einer Suche nach rationaler Ordnung der gestalterischen Grundelemente der Fotografie. Das objektiv-elementare Ordnungsbestreben relativiert die psychologisch-surreale Subjektivität Steinerts. In dieser Zeit schließt sich Monika von Boch der Neuen Gruppe Saar um Oskar Holweck an, der mit der Gruppe Zero in direkter Verbindung steht.
Abstrakte Linearität und ungeometrische Natur stehen in dem Werk Monika von Bochs in einem äußerst interessanten Spannungsverhältnis. Dies wird anhand der Pflanzenfotogramme Ende der fünfziger Jahre schon deutlich und kulminiert in Arbeiten, die sie 1970 für eine Wandinstallation im Auftrag für das saarländische Forst- und Finanzministerium auswählt. Einer Winterlandschaft in Luxembourg gibt die Fotografin den Titel "waagerechte Linien und senkrechte Weiden", und einen Apfelbaum im Schnee nennt sie "Hommage à Mondrian". Damit problematisiert von Boch die geometrische Linearität im Verhältnis zum Naturmotiv auf theoretischem Niveau. Der Apfelbaum erinnert in der Tat an Mondrians Frühwerk. Mondrian arbeitet seit 1909 an Apfelbaumzeichnungen, die ihm als Ausgangspunkt zu kubistischen Abstraktionen dienen. Ausgehend von der naturalistischen Zeichnung lässt sich in einer chronologischen Reihung sein Weg zu einer ungegenständlichen Malerei verfolgen. Das Verhältnis von Natur zum Ungegenständlichen ist bei Mondrian evolutionär. Das Motiv entwickelt sich nach und nach zu immer reinerer Form. Monika von Boch zitiert Mondrians Abstraktion an ihrem Ausgangspunkt. Sein orthogonales Formprinzip taucht dagegen im Titel zur luxemburgischen Winterlandschaft "horizontale Linien und senkrechte Weiden" auf. Obwohl sich von Boch sehr wohl auf dem Gebiet der fotografischen Abstraktion durch experimentelle Techniken versteht, zeigt sie das rechtwinklige Prinzip Mondrians anhand einer naturalistischen Kamerafotografie. Ihr Apfelbaum, wie auch die "senkrechten Weiden", tauchen ohne abstrahierende Zwischenschritte gemeinsam in der Wandinstallation von 1970 auf. Der Evolutionsgedanke Mondrians wird aber zugunsten einer Dualität von Ordnung und Abweichung von derselben abgelöst. Das Natürliche ist bereits Ordnung, eine universale Ordnung. Die Fotografie von Monika von Boch ist in der Lage, die abstrakte Form schon in der Natur zu sehen.
Für Monika von Boch heißt das aber nicht, dass das serielle Prinzip des Mondrian’schen Evolutionsgedankens nicht von Interesse wäre. Die Weißblechserie ist in mancher Hinsicht mit dem Vorgehen Mondrians zu vergleichen. Zwei identische Aufnahmen von einem Stapel Blech in der Dillinger Hütte aus dem Jahr 1963 sind der Ausgangspunkt einer großangelegten Fotoserie, an der Monika von Boch über zehn Jahre arbeitet. Im zweiten Schritt werden die zwei Negative in der Sandwichmontage abgezogen. Aus der streng horizontalen Lineatur entsteht nun ein orthogonales Geflecht. Aus dieser Kreuzung vergrößert Monika von Boch Ausschnitte, unterzieht sie experimentellen Verfremdungen, kopiert sie nochmals auf ein Negativ, verkehrt die Tonwerte, vergrößert weiter, unterbricht die Negativentwicklung und belichtet währenddessen ein zweites Mal, solarisiert. Es entstehen Konturbilder der mittlerweile immens vergrößerten Mikrostrukturen. Durch die Vergrößerung nimmt die technisch bedingte Ungenauigkeit gestalterischen Einfluß. Aus der ursprünglich scharfen Linearität der gestapelten Bleche entwickeln sich organisch fließende Formen, die allein durch den fotografisch-technischen Zugriff sichtbar werden, bis schließlich aus der rechtwinkligen Komposition annähernd kreisrunde Formen auftauchen. Mit steigender Abstraktion wird die Form zunehmend organischer. Damit verkehrt Monika von Boch geradezu das Abstraktionsprinzip Mondrians, der, ausgehend von der geometrisch nicht fassbaren chaotischen Naturform, die universelle Ordnung in der geometrischen Rechtwinkligkeit findet, die von ihm eindeutig der organischen Naturform übergeordnet wird. Der gestaltende Geist dominiert bei Mondrian die Natur. Die Weißblechserie von Bochs zeigt ein umgekehrtes Interesse. Sie betreibt mithilfe der gestaltenden Abstraktion eine Archäologie der naturhaft-organischen Form, die selbst im linear geordneten Industriemotiv verborgen ist. Die Formel von der Abstraktion der Natur wird umgewertet zu einer Natur des Abstrakten.
Roland Augustin
in: Monika von Boch. Die Natur des Abstrakten. Ausstellungskatalog Saarland Museum Saarbrücken 1997, S. 19-31
Biografie
1915 geboren in Mettlach
1950-53 Abendkurse an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, Schülerin von Prof. Otto Steinert, Initiator der "subjektiven fotografie"
1954 Studienaufenthalt in Algerien
1951-55 Beteiligung an der von Otto Steinert organisierten Ausstellung "subjektive fotografie" an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken
1957 letzter Einschreibenachweis für das Winterhalbjahr 1956/57 an der Schule für Kunst und Handwerk
1952-63 Werksfotografin bei Villeroy & Boch, Mettlach
Oktober 1960 Mitglied der Künstlergruppe "neue gruppe saar"
November 1960 Edward Steichen erwirbt zwei Fotografien Monika von Boch für das Museum of Modern Art in New York
1964 erste Einzelausstellung in der Österreichischen Staatsdruckerei Wien, Beteiligung an der von Karl Pawek organisierten Weltausstellung der Fotografie
seit 1968 Mitglied des Deutschen Werkbundes
1975 Studienreise in die Provence
1981 Publikation ihres Bildbandes "Land sehen"
seit 1983 keramische Arbeiten
1992-93 letzte Ausstellung im Saarland Museum Saarbrücken
1993 gestorben in Mettlach
Ausstellungen
Einzelausstellungen
1964 Österreichische Staatsdruckerei, Wien
Joanneum, Graz
Werkkustschule, Trier,
1966 Galerie Elitzer, Saarbrücken
1967 VHS, Dillingen
Städtische Brückenschenke, Traben-Trarbach
1968 Galerie Clarissa, Hannover
Städtisches Museum Trier
Deutsches Kulturinstitut, Tunis
1969 Deutsches Kulturinstitut, Algier
Deutsches Kulturinstitut, Casablanca
Deutsches Kulturinstitut, Rabat
"Optische Variaten - Monika von Boch Fotografien" Modern Art Museum, München
Heimvolkshochschule Lamprecht/Pfalz
1970 Europäische Akademie Otzenhausen
Versuchsanstalt Villeroy & Boch, Mettlach
1973 Galerie St. Johann, Saarbrücken
Jugendzentrum, Merzig
KEB, Dillingen
Deutsches Kulturinstitut, Chalons sur-Marne
1974 Deutsches Kulturinstitut, Vichy
Institut Max von Laue - Pasul Langerin, Grenoble
1976 Universität des Saarlandes, Saarbrücken
"Eindrücke in der Provence", Stadtsparkasse Saarlouis
1977 Schering Kunstverein, Berlin
VHS Stadthalle Merzig
Volksbank, Spiesen-Elversberg
Hering (Odenwald)
Scherin Kunstverein, Berlin
1980 Kreisheimatmuseum Merzig
Krankenhaus Mettlach
1982 "Monika von Boch. Steine" Photo Galerie 52, Luxembourg
1982/83 "Monika von Boch. Das fotografische Werk 1950- 1980" München, Nancy, Saarbrücken, Mainz
1983 Textilmuseum Neumünster
Städtisches Museum Saarlouis
1985 Thomas-Mann-Bibliothek Luxembourg
1986 "Monika von Boch. Keramische Reliefs und Felsenbilder" Lebach
1988 „Photographie und Keramik“, Keramik Museum Mettlach, Musée Régional Sarreguemines
"Monika von Boch - Rétrospective" Musée de la Photographie Charleroi
1992/93 "Monika von Boch. Fotografie" Saarlandmuseum Saarbrücken
1997 "Monika von Boch. Die Natur des Abstrakten" Saarlandmuseum Saarbrücken
2003 "Monika von Boch", Museum Schloss Fellenberg, Merzig
2005 "Themenwechsel" Monika von Bochs Fotografien aus Algerien, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
2006 Galerie St. Johann, Saarbrücken
Ausstellungsbeteiligungen
1954 "Salon of Photography Stockholm
"subjektive fotografie 2" Saarbrücken
"Steinert und Schüler" Buenos Aires, Stockholm, Barcelona
1955 "Steinert und Schüler" Brüssel
1956 "Gestalterische Photografie - Otto Steinert und Schüler" Darmstadt, Institut für Neue Technische Form
"Photokina" Köln
1957 "Abstraktes und Konkretes" Darmstadt
"Steinert und Schüler - Fotografie als Bildgestaltung" Darmstadt, Kiel, Tokio, Karlstadt/Schweden
1958 "Photokina" Köln
"Steinert und Schüler - Fotografie als Bildgestaltung" Göppinger Galerie Frankfurt
1959 "Glas im Bild" V. Internationaler Glaskongreß München
"Steinert und Schüler" Folkwangschule, Essen
1960 "Ungegenständliche Photografie" Gewerbemuseum Basel
3. Biennale internazionale della fotografia "Fotografi della nuova Generazione", Pescara
1961 Salon International du Portrait Photographique, Bibliothèque Nationale, Paris
neue gruppe saar, Zimmertheater Tübingen
1962 "Nouvelles Voies de la photographie" Musée de l' Ètat Luxemburg
1963 neue gruppe saar, Kultusministerium Saarbrücken
1964 Weltausstellung der Fotografie, Helmhaus Zürich
1965 neue gruppe saar, Kultusministerium Saarbrücken
1966 "Concorso internationale di fotografia Francesco di Assisi" Villa Comunale Mailand,
1966 neue gruppe saar, Galerie Moering Wiesbaden, Galerie Bernd Clasing Münster, Galerie Elitzer Saarbrücken, Haus Metternich Koblenz
1967 neue gruppe saar, Kultusministerium Saarbrücken
1968 "Kunst im Schaufenster" Kuratorium Lokale Marktförderung, Saarbrücken
1969 "Malerei/Skulptur/Grafik aus dem Saarland" Pfalzgalerie Kaiserslautern
1970 "Fotografinnen" Folkwang Museum Essen
neue gruppe saar, Bürgermeister Ludwig Reichert Haus Ludwigshafen
1973 Subjektive Fotografie – Monika von Boch. Deutsches Kulturinstitut, Lyon
1974 Vertretung des Saarlandes beim Bund, Bonn (mit Hanne Garthe und Paul Schneider)
1975 neue gruppe saar, Städtisches Museum Simeonstift, Trier
1976 Pfälzische Sezession, Pfalzgalerie Kaiserslautern
1977 Künstlerische Fotografie, Moderne Galerie des Saarlandmuseums Saarbrücken
1978 neue gruppe saar, Abbaye des Prémontrés, Pont à Mousson
Stadttheater Remscheid
1979 Künstlerische Bildnis-Fotografie, Saarlandmuseum Saarbrücken
1981 "Sammlung Steinert" Fotografische Sammlung Museum Folkwang, Essen
1982 "Kunstsituation Saar", Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl
1985 "Kunsthandwerk und Keramik zum Anfassen" Thomas-Mann-Bibliothek Luxembourg
1985/86 "Der Baum" Stadtgalerie Saarbrücken
1989 Subjektive Fotografie - der deutsche Beitrag 1948-1963, Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart
"Sommerausstellung '89" Mia-Münster-Haus St. Wendel
1990 "Sommerausstellung '90. Arbeiten auf Papier" Mia-Münster-Haus St. Wendel
1990/91 "Otto Steinert und Schüler" Museum Folkwang Essen
1991 "Kunst" Landratsamt Merzig
1996/97 "Industrie Menschen Bilder" Historisches Museum Saarbrücken
1998/99 "Zwischen Abstraktion und Wirklichkeit - Die Fotografie der 50er Jahre" Kunstverein Ludwigshafen
2002 "Subjektive Fotografie 1948-1959. Otto Steinerts Schüler in Saarbrücken" Museum Haus Ludwig Saarlouis
2003 "Subjektive Fotografie 1948-1959. Otto Steinerts Schüler in Saarbrücken" Oberhausen
"Monika von Boch und ihre Freunde" Museum Schloß Fellenberg, Merzig
2003/04 neue gruppe saar, Museum Haus Ludwig Saarlouis
2005 "Themenwechsel" Landschaftsfotografien, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
"Themenwechsel" Fotogramme, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
2006 "Themenwechsel" Industriefotografien, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
"Themenwechsel" Paris – Bilder einer Stadt, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
"Themenwechsel" Portraitfotografie, Saarlandmuseum, Saarbrücken, Landesgalerie
2007 Klaus Küster – Kunstwerk, Remscheid
2009 Gebanntes Licht - Die Fotografie im Saarlandmuseum von 1844 bis 1995, Moderne Galerie Saarlandmuseum, Saarbrücken
"Arbeiten auf Papier - konkret", Galerie St. Johann
2010 "SchauLager - LagerSchau 2", Galerie St. Johann, Saarbrücken
Werke im öffentlichen Raum
Fotographik, 2,92 x 1,53 m >>>
Bibliografie
Eigene Schriften
Monografien
Sammelschriften
Veröffentlichte Fotografien in Büchern, Broschüren und Zeitschriften
zudem zahlreiche Veröffentlichungen in
Quelle
Redaktion: Michael Jähne, Sandra Kraemer
letzte Änderung: Donnerstag, 30.12.2010