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"Rückenansicht" lautet der Titel einer Ausstellung mit Objekten und Zeichnungen von Frauke Wilken in der Stadtgalerie Saarbrücken. Besonders die amorphen, z. t. riesigen Objekte aus Kunstfasergewebe und Epoxydharz sind von intensiver Präsenz und dominieren mühelos die Ausstellungsräume, nicht nur durch ihre Größe. Dabei verbreiten sie eine mysteriöse, irritierende, fast bedrohliche Atmosphäre. Wenn der Ausstellungstitel auch bewusst an die klassische Rückenfigur, die Repoussoir-Figur, erinnert, so fehlt Wilkens Objekten doch eine von deren wichtigsten Aufgaben: den Betrachter ins Bild, ins Bildgeschehen zu leiten, Raumtiefe zu erschließen, zu öffnen. Die Objekte nehmen jene andere Funktion einer Rückenfigur wahr: Distanz zu schaffen, abzuweisen, zu isolieren. In den plastischen Arbeiten von Frauke Wilken ist die Rückenansicht allseitig; sie schließt den Betrachter aus: Er bleibt zurück mit unbeantworteten Fragen, mit Ängsten vor dem, was nie erkennbar sein wird. Dies teilt sich auch in Objekten mit, die bandagierten Köpfen gleichen, in deren Sehschlitzen sich milchige "Augen" aus Silikon wölben: "Die toten Augen von London", um dem Filmzitat von Galerieleiter Ernest W. Uthemann in seiner Einführung ein weiteres anzuschließen. Es ist sicher ein wichtiger Aspekt dieser Schau: bewusst zu machen, dass Geheimnisse bleiben in einer Welt, die vorgaukelt, keine mehr zu haben.
Michael Jähne
letzte Änderung: Dienstag, 12.02.2008