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Edgar A. Eubel, Zeichnung, 2004

Edgar A. Eubel, Zeichnung, 2004 

Edgar A. Eubel, Zeichnung, 2004

Edgar A. Eubel, Zeichnung, 2004 

Ausstellung: Saarländisches Künstlerhaus Edgar A. Eubel, BBK Jahresausstellung, Jerry Frantz

Zur letzten Ausstellung des Jahres 2006 begrüßte der 2. Vorsitzende des Saarländischen Künstlerhauses, Lukas Kramer, am 29. November zahlreiche Gäste. Kramer dankte dem scheidenden Vorsitzenden Martin Buchhorn für die langjährige erfolgreiche Arbeit und stellte den neuen Vorsitzende Dirk Bubel (Arbeit und Kultur GmbH) vor.

Nach einen Grußwort Bubels wurde  die Eröffnung des ersten Teiles der Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Objekten von Edgar A. Eubel aus Datteln/Recklinghausen mit einer Einführung von Dr. Michael Jähne eröffnet. (Text des Kurzreferats im Anhang).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit dem Schwerpunkt der Zeichenbücher.

 

Die Medienkünstlerin Maja Sokolova, die seit kurzem das Videofoyer des Künstlerhauses kuratiert, gab anschließend eine Einführung in die Viedeoarbeit des Luxemburger Medienkünstlers Jerry Frantz, die, wie die übrigen Teile der Ausstellungstrias, bis zum 7. Januar 2007 zu sehen ist.

 

Abschließend begrüßte die BBK - Vorsitzende Monika Schrickel die Besucher im Studio des Künstlerhauses  zur Jahresausstellung  des Bundes Bildender Künstler, zu der zahlreiche Mitglieder Arbeiten  beigetragen haben. Schrickel stellte ferner das Künstlerbuch No. 5 das  Originalgrafiken von 35 KünstlerInnnen enthält.

Künstlerbuch No. 5 - 35 Künstlerinnen und Künstler gestalten Originalgrafiken, gedruckt auf Kupferdruckpapier, Deckblatt 300g Hahnemühle Bütten, nummeriert und signiert, Auflage 70, Preis 50,- Euro

In der Ausstellung ds BBK sind folgende KünstlerInnen vertreten:

Julia Aatz/ Günter  Bachelier/Maria Barra/Julia Baur/Brigitte Benkert/Sabine Cordes/Liane deuter/ Cloth Freichel-Baltes/Nikolaus Gierend/Harald Gottwald/Dagmar Günther/Heudrun Günther/Manfred Güthler/Anne Haring/Ferdinand Herrmann/Nora Hildebrand/ Tanja Holzer-Scheer/Joachim Ickrath/Ilse Ilse/Carolin Iselle/Petra Jung/Julia Keller/Anni Kenn-Fontaine/Ursel Kessler/Stefan Kuberek/W.H. Kurz/Ingrid Lebong/Jolande Lischke-Pfister/Sabine Loos/Michael Mahren/Brigitte Martin/Karl Michaely/Maria Montnacher-Becker/Brigitte Morsch/Inge Münz/Jörg Munz/Robert Nalbach/Claudia E. Schmitt/Inge Schmidt-Strassner/Monika Schrickel/Hans Schröder/Wener Schwarz/Gabi Wagner/Stephanie Weber/J.N.R. Wiedemann/Cilli Willeke/ Günther Willeke

 

 

Einführungsvortrag zur Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Objekten von Edgar A. Eubel

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

"Ich sah in 22 Gärten von mehreren Zwergstädten  auf einmal das Knicksen, Zappeln, Hunds-, Pfauen-, Fuchsschwänzen, Lorgnieren, Raillieren und Raffinieren von unzähligen Zwergstädtern, alle mit den Ansprüchen, Kleidern, Servicen und Möbeln der Großstädter. - Hier in einer Tanzkolonne die Sedezstädterinnen mit bleihaltigen Gliedern und Ideen, aber doch in gebildete Shals eingewindelt und in der griechischen Löwenhaut schwimmend, wie viele Hühner und Offiziere mit Federbüschen kränklich bewachsen, andere in ihren alten Tagen mit bunten Kleiderflügeln behangen als Denkzetteln  der jungen, wie man sonst gebräunte Pfauen mit ungerupften Flügeln in der Bratenschüssel serviert“

 

So wie  Jean Paul in dieser und anderen Passagen  seiner Erzählung „Des Luftschiffers Gianozzo Seebuch“ Beobachtungen, Gedanken, Notizen märchenhaft, fabelhaft  zu einem surrealen Panoptikum umdeutet, so fixieren die Zeichnungen Edgar A. Eubels eine Welt flüchtiger Phantasmagorien des Luftraums hinter der Realität, einer Parallelwelt der Erinnerungen, Ängste und Träume. Besonders die Blätter der Zeichenbücher schließen sich zu einem Almanach gedanklichen Sehens zusammen, machen das sonst Nicht-Sehbare sichtbar, werden Sehbücher. Hier liegen Malerei und Zeichnung nahe beieinander, schaffen Gleiches mit verschiedenen und doch verwandten Mitteln. Zeichnerisches und Malerisches stehen in den Arbeiten nebeneinander und wirken ineinander, sind ihrem Charakter entsprechend in Dienst genommen für den Inhalt.


Aus dem narrativen Aspekt von Eubels Bildfindungen ergeben sich die geeigneten technischen Vorgehensweisen der Visualisierung. Malerei und Zeichnung sind wie alle bildende Kunst Versuche der Welterfassung, Welterklärung, und -verdeutlichung mit den Mitteln der Selektion, Separierung, Verdichtung und Pointierung - mit der Konzentration auf einen oder mehrere Aspekte, auf eine essentielle Aussage.


Die „Welt in ihrer chaotischen Unüberschaubarkeit“  wird in einem oder mehreren ihrer Aspekte erfasst oder besser: komprimiert und visualisiert, erklärt und gedeutet. Das vermeintlich unüberschaubare Chaos wird damit als Teil des strukturierten Kosmos erkennbar - in dem der Künstler durch seinen kompositorischen Eingriff die Existenz von Strukturen deutlich, ja erst sichtbar macht.  Paul Klees viel zitierter Satz ist aufzugreifen: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar". Doch weiter heißt es in Klees Text: “Schemen- und Märchenhaftigkeit des imaginären Charakters ist gegeben und äußert sich zugleich mit großer Präzision“. Für die Betrachtung des Werkes von Edgar Eubel ist aber von entscheidender Bedeutung, wie Klee seinen Hauptsatz („... macht sichtbar ...“) im weiteren Textverlauf präzisiert und damit Grundlegendes für die zeitgenössische Kunst formuliert - und die Gültigkeit seiner Aussagen über den Bereich weitet, für den sie bevorzugt reklamiert wird. Klee schreibt: „Früher schilderte man Dinge, die auf der Erde zu sehen waren, die man gern sah oder gerne gesehen hätte. Jetzt wird die Realität der sichtbaren Dinge offenbar gemacht und dabei dem Glauben Ausdruck verliehen, dass das Sichtbare im Verhältnis zum Weltganzen nur isoliertes Beispiel ist, und dass andere Wahrheiten latent in der Überzahl sind.“


Edgar A. Eubel schildert etwas der Welt eigenes, zeigt kleine Teile des „Weltganzen",  verknüpft sie; schildert  einen  Teil dessen, was wir als Kosmos bezeichnen, der doch das Gegenteil von Chaos ist. Die genannte „Unüberschaubarkeit“ ist nicht Unordnung - es ist eine andere Ordnung. Eubel ordnet nicht, sondern macht Ordnung = Kosmos = Welt sichtbar.


Diese Schilderung ist eine  überbordende Fülle kleinteiliger Bildelemente. Fast möchte man von einem horror vacui sprechen, so überziehen Formen, Liniengerüste, Farbschleier den Bildgrund, treiben auf Ornamenthaftigkeit zu, ständig gebrochen in irritierender Un-Zusammengehörigkeit. Anthropomorphismen sowie tierische und pflanzliche Formen, erscheinen aus dem Nichts  und mischen sich mit architektonischen oder völlig freien Formen. Der Visualisierung des Schillernden, Vexierbildhaften, Schemenhaften, Visionären ordnet Eubel seine formalen Mittel unter. Das Wechselspiel von Linien und farbigen Flächen sowie die sehr unterschiedlichen Funktionen der beider  prägen die Darstellungen. Die Art des Farbauftrags unterstreicht den Charakter des Schwebenden, Unfestlegbaren, Diffusen, sich Entgrenzenden. Insofern kommt geradeder Malerei durchaus die Funktion der Entgrenzung zu - einerseits. Andererseits lassen die dünn, ja sogar nur lasierend aufgetragenen Farbhäute, bewegliche und bewegt wirkende „Farbvorhänge“ Räumlichkeit entstehen, die unfestgelegt, unergründlich, schwankend, sich verändernd, geheimnisvoll erscheint. Die Farbe, entgrenzt und definiert zugleich und trägt damit eine wichtige Rolle in der Komposition (im Bildganzen).

Gleichzeitig übernimmt sie, aufgetragen in pastosen Strichen, Funktionen der Zeichnung: der Kontur eines organoiden oder zoomorphen Gebildes öffnet sich, vollendet sich nicht, deutet die Wesenheit , die er zu schildern begonnen hat nur noch an, lässt sie schemenhaft, flüchtig erscheinen, sich auflösend, entgrenzend. Andere Linienkomplexe wirken ornamenthaft, wie Zeichen, Symbole, Totems, gewinnen piktogrammhafte Wesenheit.

 

Die geheimnisvollen Raumverschachtelungen, welche die Farbflächen in den großformatigen Gemälden bilden, evozieren, werden in den Zeichnungen abgelöst durch eine offene Kompositionen. Die offenere Form der Komposition in den Zeichenbüchern etwa, das Sichtbarlassen der Grundfläche, ersetzt auf etwas weniger augenfällige Weise den mysteriösen Raumeindruck der Farbflächenkulissen. Die Lineamente und sparsamen Farbinseln scheinen im grenzenlosen, undefinierten Leerraum zu schweben, vor dem ungreifbaren Nichts und wirken um so mehr als Phantasmagorien, die aus dem Nichts erwachsen, ihre Botschaft vermitteln, dem Unfassbaren, Geheimnisvollen Gestalt geben, Empfindungen auslösen, Erinnerungen und Träume hervorrufen und wieder ins Nichts zurücksinken. Die Schilderung des geheimnisvollen Leerraums durch die Grundfläche in den Zeichnungen übernehmen in den neueren Gemälden mysteriös lasierende Farbflächen.


Die überquellende Fülle seiner Bildelemente: Wesen(heiten) zwischen Tierischem, Pflanzlichem und Anthropomorphem, Chimären, Schemen, Phantasmagorien, Larven, Nachtmahren, Insektenhaftem, Kristallinem, aber auch Zeichen, Symbole, Runen oder amorphe Schleier, Nebel, Schlingen, Netze - all dies gewinnt mit seiner Fremdheit, Unheimlichkeit und Bedrohlichkeit surreale Gestalt. Der  rasche Duktus der Zeichnungen, der wie notierendes Festhalten von flüchtigen Gedanken, Erinnerungsfetzen und Nachklang von Träumen wirkt, bildet den Fundus, aus dem der Künstler seine Bildfindungen schöpft. Hinzu kommt die große Zahl zeichnerischer Arbeiten, die auf das notierende Sammeln hinweist: Traumbilder, Erinnerungen, Ängste werden dem Künstler zu Skizzenbüchern, zum Material für die (komponierteren) Gemälde  und sich finden  später auch zu einem Kompendium eigenständiger Arbeiten zusammen.


Die eigenen Innenansichten werden zu Bildern, die auch ästhetischen Ansprüchen genügen. So entstehen Kompositionen voller Lebendigkeit und Spannung zwischen vibrierenden Strichlagen und pulsierenden Farbschleiern. Dabei lassen sich in der Raschheit und Flüchtigkeit der hingewischt erscheinenden Farbhäute und skizzenhaften Strichführung der Zeichnung die Immaterialität ihrer Quellen immer deutlich erkennen. Diese Visualisierung innerer Bilder, die vor allem in den Zeichnungen die Unfassbarkeit ihrer Vorlagen immer noch bewahren, genügt Edgar  Eubel nicht ganz. Er erschließt sich mit einem anderen „Medium“, seinen plastischen Installationen, ein Instrumentarium, seiner Bilder noch besser habhaft zu werden. Die Visionen, so beängstigend wie sinnlich, werden von ungreifbaren Erscheinungen zu fassbaren Gegenständen.  Die plastischen Arbeiten sind eng verzahnt mit den malerischen und zeichnerischen im Werk Edgar A. Eubels, "sie sind Form gewordene Elemente der Malerei, die sich scheinbar einfach aus der Fläche herausgelöst haben" (so Leane Schäfer) - unbegreifliche, schemenhafte Traumbilder sind (be-)greifbar geworden - und bleiben dennoch rätselhaft. Tauchen wir ein in geheimnisvolle, rätselhafte Welten!

Michael Jähne

letzte Änderung: Donnerstag, 30.11.2006



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