Bodo Baumgarten mit einem Objekt, 1999
o.T. 1967, Ölfarbe auf Pappe, 15 x 14 cm
Wiese, 1971, Wasserfarbe auf Perlonfilz, Nähte ca. 600 cm lang
o.T. 1970/81, Ölfarbe auf Holz, Chlorkautschukfarbe auf Eisen
David zieht sich aus, Bathseba ist etwas hart gelandet, 1982-84, Hamburg, Staatsbibliothek,
10 x 10 x 12 m
Spitze Zunge, 1985, bewegbar über Seilrollen, Holz, filzummantelt, Kordel, Acrylfarbe, Höhe ca. 160 cm
Königskaktus, 1988, Gruppe von sieben Arbeiten, auf einer Wand von 11,5 m Länge, von rechts nach links zu lesen, Kohle, Acryl auf Papier
Venus wird wach, 1987, Holz, Eisen, Aluminium, Filz, Acryl,
220 x 220 x 40 cm
Vulkanus persönlich, 1990, Holz, Hartschaum, Nessel, Acryl, T 95 cm
erste Kontakte 2, 1989, Foto, Zinkblech, Modelliermasse, Acryl, 12 x 12,5 x 5 cm
Lorelei - Entrée für einen Frisiersalon, 1989,
Salon Peter Steimel, Köln, Acryl auf Polyester, Holz, Eisen, PVC,
ca. 150 x 150 x 150 cm
Ausstellung im Saarlandmuseum 1992
Ludwigskirche, 1995, Acryl auf Filz mit Schnüren, 250 x 300 cm
Filz, Farbe, Akt, Ecke, Raumkomposition HBKsaar, 1997,
Acryl auf Filz, Höhe 230 cm
aus: Malersommer in Völklingen, 1997, Acryl auf Nadelfilz,
245 x 135 x 15 cm
der alte Napoleon, 2003, OTTO- Zentralverwaltung, Hamburg,
Pigmente, Silikon, Duropor, Nadelfilz,
Höhe: ca. 230 cm
Vier Thronende, 1997, Filz, Acryl, Silikon, je 180 cm hoch, im ca. 20 m langen Hof des Laboratoriums, Saarlouis, März 2000, Teilansicht der Installation
Vierergruppe 6.3., 1999, Aquarell, Gouache auf Papier, ca. 27 cm hoch
Promenade dans l`univers, bei David Hicks, Paris, 2004, Aquarell auf Papier auf gefasstem Rahmen (Acryl), Breite: 270 cm
Installation, 2006, Museum St. Wendel (gerahmte Arbeiten - Akte - 2006; Objekt in der Mitte 1968/67)
Triptychon 2.4.7, 2007, Stifte auf Papier, B ges. ca. 120,0 cm
"Sich bildnerisch auf einen Prozess einlassen, diesen tätig beobachtend, steuernd, eigene Dynamiken nutzend, begleiten - lebenslänglich, kein geschlossenes Weltbild, vielmehr ein offenes Weltgebilde." (Bodo Baumgarten in einem Brief vom 6. 5. 2000)
Baumgartens Arbeiten sind Herausforderungen an den Betrachter, sich der Kraft der Farben auszusetzen, die in ihrem pastosen Auftrag drängende Körperlichkeit entfalten und wieder zurücksinken ins Ungreifbare. Auf ihren Trägern (Filz, Silikonmasse u. ä.) nehmen die Farben deren haptische Qualitäten auf und heben durch ihre ureigene Farbenergie das Material in eine geistige Dimension - Sinnlichkeit und Spiritualität als Leitgedanke für neue offene Welterfahrungen.
Michael Jähne
"Baumgarten begann als Maler. Dabei handelt es sich um eine Malerei, die durch eine subtile Behandlung der Farbe einen Bildraum konstituierte, so daß bereits hier jenen Faktoren eine entscheidende Rolle zukam, die von bleibender Bedeutung für ihn werden sollten: Farbe und Raum. Die Collagen, die dann in der Mitte der 60er Jahre entstanden, waren ein erster Schritt über die Malerei hinaus. Durch Schnitte und Zeichnungen wurden räumliche Wirkungen erreicht, so daß sich schon bald eine Entwicklung abzeichnete, die konsequent auf eine reale Räumlichkeit zielte. Ende der sechziger Jahre waren es bemalte Wandobjekte, die Baumgarten beschäftigenden. Licht und Farbigkeit erreichen in diesen Objekten auf unterschiedliche Weise jene Verwandlungen von Materie und Raum, die Baumgarten letztlich erstrebt. Zunächst resultiert aus der jeweiligen Farbigkeit dieser Körper der Eindruck von Leichtigkeit oder auch Gewicht, die Farbe unterstreicht, interpretiert ihre materielle Beschaffenheit oder hebt sie auf. Durch die farbige Gestaltung eines Objektes ergeben sich ferner Teilungen, Richtungen, Möglichkeiten, dem Gesetz der Gravitation optisch entgegenzuwirken.
Mehrere in Form und Farbe unterschiedliche Objekte auf einer Wand zusammengefaßt, treten darüber hinaus miteinander in Verbindung. Formen wie Farben der einzelnen Objekte kommunizieren, aus Teilen wird ein Zusammenhang. Gleichzeitig bewahrt jedes Objekt autonomen Charakter, so daß die Wand zu einem Bezugsfeld gleichberechtigter Teile wird. Dabei bleibt die Wand selbst keineswegs neutraler, allenfalls im materiellen Sinn relevanter Hintergrund, sondern wird in den Gestaltungsprozess einbezogen. Durch einfallendes Licht entstehen diffuse Schattenzonen, die der Wand ihre Materialität ebenso nehmen, wie die durch sie reflektierende Farbigkeit der einzelnen Objekte. In diesem Zusammenhang wird die Funktion des Lichts nur zu evident. Baumgarten selbst weist auf "das Licht, das an einem Körper sich zur Farbe bildet, das einen Körper umspielt, ihm seine visuelle Schwerkraft oder seine Festigkeit deutbar macht. Auflicht, Seitenlicht, Licht durch Materie hindurch, Farben im Licht, Färbungen im Licht" (Baumgarten 1973, S. 20). Licht in seiner jeweiligen Erscheinungsweise beeinflußt einerseits das Objekt selbst und seine Farbigkeit, es trägt ferner dazu bei, daß sich seine ästhetische Wirkung nicht allein auf seine dinghafte Erscheinung reduziert, sondern daß die Wand, der es verbunden ist, durch Schattenzonen und Farbreflexe integriert wird. In diesem Faktum liegt eine der Eigenschaften, die die Objekte Baumgartens von der traditionellen Form des Reliefs unterscheiden.
Doch da ist nicht allein das Objekt und die Wand, der es materielle anhaftet, vielmehr gibt es zudem jenen Raum, in den es hineinragt und dessen Erlebnis sich durch das Objekt modifiziert. Die Wirkungen der Wandobjekte Baumgartens im Hinblick auf den Raum, die Relation von Körper und Raum hat Helmut Heißenbüttel wie folgt beschrieben: "Wenn ein Körper wie ein Teil der Wand als Innenbegrenzung aus der Wand heraustritt, bleibt er körperliche Außenbegrenzung und ist zugleich als Modifikation von Innenbegrenzung, Innenbegrenzung. Wird so aber die Innenbegrezung der Wand als Fortsetzung des aus ihr heraustretenden Körpers Außenbegrenzung… Objekte als Körper mit Außenabgrenzung, die weit in den Raum hineinragen, sind anschaubar allein in der unauflösbaren und wechselweise bedingten Anschauung von Körperhaftem und Räumlichem, von Begrenzung außen und Begrenzung innen." (Heißenbüttel 1977, Klappentext) Die Objekte Baumgartens greifen durch Form, Farbe, Linie in einen bestehenden räumlichen Zusammenhang ein; sie verändern ihn auf vielschichtige Weise über den Bereich unmittelbarer Funktionalität hinaus und lassen ihn zu einem Erlebnis werden, das "auf die Dünnschichtigkeit und Vielhäutigkeit der Existenz" (Baumgarten, Über Kunst 1973, S. 19) führt.
…
"Die Objekte nehmen auf den Raum Bezug, in dem sie sich befinden, ohne jedoch im engeren Sinn Rauminstallationen, ohne ausschließlich im Hinblick auf eine konkrete Raumsituation konzipiert zu sein. Auch darin letztlich erscheint ihre Eigenständigkeit. Doch neben den Objekten existieren 'Bilder', zweidimensionale Arbeiten wie Wandfilze, die eine Mittlerfunktion einnehmen zwischen Gemälde und Objekt und in oberflächlicher Sicht wie „shaped canvas“ anmuten. Sie unterscheiden sich jedoch in einem für Baumgarten wesentlichen Aspekt: sie sind nicht flächig angelegt, nicht Farbfeld, sondern raumillusionistisch bestimmt und ordnen sich in dieser Hinsicht den raumverändernden Wandobjekten Baumgartens zu. Auch für diese Nadelfilzarbeiten ist die Wand als Widerpart wesentlich, insofern die Raumillusion der Filze ihre scheinbare Öffnung bewirkt. Realität ist für Baumgarten immer in dem Maß relevant, als er sich ihrer funktional bestimmten Erscheinung entgegenstellt und ihr eine über die Funktion hinausweisende Dimension gibt."
Ernst-Gerhard Güse
aus: Venus und Vulkanus – Phantasie und Wirklichkeit. Die neuen Arbeiten von Bodo Baumgarten. In: Venus und Vulkanus. Saarbrücken 1992
"Anfang der 80er Jahre kam mir das Verlangen, die Welt der konkreten Körper, die durch Malerei ins Unbestimmbare oder Assoziative aufgeladen werden konnten, zu verlassen. Das Pendant wurden die Erscheinungen meiner Umwelt - verwirrend in der Vielfalt der Deutbarkeit und geradezu ein Kosmos, was das Umsetzen zu einem abstrakten Gebilde anging. Zu der Zeit lernte ich die Malerin Gudrun von Leitner kennen, der noch suchend eingeschlagene Weg bekam Nahrung. Vorzeichen waren: Vom Allgemeinen zum Persönlichen, vom Verbleibenden zum Vorübergehenden, vom Stillen zum Lebendigen, vom architektonischen Sehen zur Figur. Wenn - viel später - gelebte Figur sich von jeder körperlichen Ähnlichkeit befreien konnte und mit dem Grund (Raum) als Nährboden eigene Energie entwickelte, könnte man von Valeurs im Raum sprechen."
Bodo Baumgarten
aus: Gudrun von Leitner "Von Schwelle zu Schwelle" / Bodo Baumgarten "Valeurs im Raum" - Malerei. Hamburg 2003
Biografie
1940 geboren in Gotenhafen/Gdinia aufgewachsen in Schleswig-Holstein und Hamburg
1962-69 Studium der freien Malerei an der Werkkunstschule Kiel und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Domke, Brockmann, Grimm und Graubner
1969-72 lebt als Bauarbeiter (werdende Räume) und freischaffend in Köln
1972-79 freischaffend und lehrtätig an der HfbK Hamburg bei den Professoren Thiemann und Sudeck
1975 Förderpreis der Akademie der Künste Berlin
1977 Stipendiat des Lichtwarkpreises, Hamburg
1979 Aufgabe der Lehrtätigkeit auf eigenen Wunsch, um sich bei vollem Risiko künstlerisch weiterentwickeln zu können
1981 Umzug nach Köln, dort bis heute das Hauptatelier
1986 Stipendium des Kunstfonds Bonn
1986-87 Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf
1989-2006 Professur für freie Malerei, Ausbau der künstlerischen Arbeit, frei und in der Lehre
Ausstellungen
Einzelausstellungen
1970 Galerie Ernst, Hannover
Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven
1971 Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven
Galerie Defet, Nürnberg
1972 Galerie Ernst, Hannover
"Kritiker wählen" - Dietrich Helms - Bodo Baumgarten, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
Kunstverein und Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven
1973 Kölnischer Kunstverein, Köln
Galerie Swart, Amsterdam
1974 Galerie Elke Dröscher, Hamburg
Galerie Defet, Nürnberg
1975 Galerie Reckermann, Köln
Kunsthalle zu Kiel
1977 Badischer Kunstverein, Karlsruhe
1978 Galerie Reckermann, Köln
1979 Galerie Elke Dröscher, Hamburg
Galerie Defet, Nürnberg
1980 Galerie Reckermann, Köln
1983 Galerie Reckermann, Köln
Galerie im Trudelhaus, Baden/Schweiz
Galerie Waßermann, München
Galerie Linie, Moers
1984 Institut für moderne Kunst, Schmidt-Bank-Galerie, Nürnberg
Galerie Reckermann, Köln
Kunsthistorisches Institut, Bonn
Artothek, Köln
1986 Kunstfond, Bonn
1987 Galerie Waßermann, München
1988 Ulmer Museum, Ulm
1989 "Werk und Zeug", Richard-Haizmann-Museum, Niebüll
Galerie Reckermann, Köln
1990 "Malerei geistlichen Fußes", Maternushaus, Köln
1991 Galerie Kammer, Hamburg
1992 Saarland Museum, Saarbrücken
Waßermann Galerie, München
1993 Galerie Samy Kinge - FIAC/Paris
1997 Galerie 48, Saarbrücken
1999 "die Poesie des Raumes", Pasteur Mèrieux MSD, Leimen
2000 Laboratorium / Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarlouis
2006 "Beim Aktzeichnen", Museum St. Wendel
2007 Galerie Carolyn Heinz, Hamburg
2009 "Malerei - Bo", Galerie Carolyn Heinz, Hamburg
Ausstellungensbeteiligungen
1969 "Operationen", Museum Fridericianum Kassel
1970 "14 x 14", Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
1972 "Szene Rhein-Ruhr" Museum Folkwang, Essen
1973 Deutscher Künstlerbund, Berlin
"Deutsche Zeichnung der Gegenwart", Bielefeld, Hamburg, Oslo
1974 "Zeichnungen deutscher Künstler", USA, Kanada, Australien, veranstaltet von Rolf-Gunter Dienst
TU Hannover mit Ray Staakmann, veranstaltet von der Galerie Ernst, Hannover
1975 "Hamburger Kunstwochen", Kunstverein Hamburg
1977 documenta 6 - Zeichnungen, Kassel
1980 "Pier und Ocean", London, Otterlo
"Reliefs", Münster, Zürich
"Helmut Heissenbüttel liest aus unveröffentlichten Texten", Ausstellung Bodo Baumgarten - Elke Baumgarten, Künstlerhaus Hamburg
Tyskt kaleidoskop. (Sammlung der Kunsthalle zu Kiel, Bodo Baumgarten.) Malmö Museum. Katalog Malmö 1980
1983 "Skulptur und Farbe", Gesellschaft für Aktuelle Kunst Weserburg, Bremen
"Deutsche Bilhauer der Gegenwart", Kunstverein Augsburg
1985 "Ecken und Kanten", Lüdenscheid, Mülheim/Ruhr, Siegen, Unna
1987 Lintas - Hamburg, mit Gudrun von Leitner
1989 "Würfelmuseum", Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
„Shaped Paintings, Galerie Sfeir-Semler, Kiel
1991 Künstlerbund, Darmstadt - Skulpturen-Objekte-Installationen
Städtisches Museum im Mia-Münster-Haus, St. Wendel
1993 "Kunstwerkberg", mit Studierenden der HBKsaar, Hauptverwaltung der Saarbergwerke AG, Saarbrücken
1998 "Malersommer in der Alten Völklinger Hütte", gemeinsam mit dem Atelier Prof. Nestler, Völklingen
2000 INNOVATION. konstruktiv - konkret - visuell - konzeptuell. 10. Gmundener Symposion.
2001 Das entgrenzte Bild. Ausstellung Gmunden (A), Salzgitter, Bonn, Ludwigshafen.
2003 Gudrun von Leitner "Von Schwelle zu Schwelle" / Bodo Baumgarten "Valeurs im Raum" - Malerei. Ausstellung. Foyer der OTTO GmbH, Hamburg.
2004 Kunstszene Saar 2004 - Im Augenblick. Ausstellung u. a. Museum St. Wendel
2007 Medizin – Malerei – Morpheme. Ärztliche Zentralbibliothek des UKE Hamburg, gemeinsam mit Gudrun von Leitner und fachübergreifend dem Mediziner Dr. H.-J. von Leitner gewidmet
Werke in wichtigen Sammlungen
Bibliografie
Eigene Schriften
Monografien
Sammelschriften
Quelle
Redaktion: Michael Jähne
letzte Änderung: Donnerstag, 19.02.2009