Natascha Pötz
Hase, 1999, Bleistift/Papier, 130 x 150 cm
Schweiz/Nacht, 2002, Buntstift/Papier, 70 x 100 cm
Polnischer Spaziergang, 2002, Buntstift/Papier, 130 x 150 cm
Vogelflug, 2004, Bleistift/Papier, 70 x 100 cm
Berlin, 2009, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm
Look right in London, 2010, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm
Mont Ventoux, 2010, Bleistift/Buntstift/Papier, 70 x 100 cm
Land, 2010, Wolle/Stramin, 81 x 113 cm
ein Jahr, 2011, Bleistift/Buntstift/Papier, 130 x 150 cm
Natascha Pötz - Welt Reisen Album
Der Raum hat mich immer schweigsam gemacht. Jules Vallès
Wie können wir uns einer Landschaft nähern, die nicht mehr jene ist, welche wir sehen, sondern im Gegenteil jene, in der wir gesehen werden? Gilles Deleuze
Wenn die Unermesslichkeit Gaston Bachelard zufolge eine philosophische Kategorie der Träumerei ist, ist die Kartografie, das Vermessen und Verzeichnen oder Aufklappen des Raumes, wie es uns in den Zeichnungen von Natascha Pötz begegnet, dann der Versuch dieser Unermesslichkeit zu begegnen? Es mag sein, dass es irreführend ist, den Begriff der Träumerei überhaupt aufkommen zu lassen in Bezug auf Zeichnungen, die weniger in Träumen als in Erinnerungen an konkrete Orte wurzeln. "Aber handelt es sich wirklich um eine Erinnerung? Ist die Einbildung nicht schon bei der ersten Betrachtung tätig?", fragt Bachelard und stellt fest: "Die Träumerei ist ein Zustand, der vom ersten Augenblick an vollständig hergestellt ist. Man sieht kaum, wo sie anfängt, und doch beginnt sie immer auf die gleiche Weise. Sie flieht das nahe Objekt, und sogleich ist sie weit weg, anderswo, in dem Raum des Anderswo." - Weit weg, in dem Raum des Anderswo, der vielleicht am ehesten der Raum des Reisenden ist, sein Fluchtpunkt. Natascha Pötz' Bildräume sind so etwas wie Verzeichnisse von Intensitäten. Verortungen. Traumartig in ihrer verzerrenden Topografie, in ihren Maßstabssprüngen und scheinbaren Ungereimtheiten, dem zugleich hier wie dort Sein, rekonstruiert sie in der Zeichnung, wie in einer Auf- oder Nachzeichnung, Erlebnisse, in dem sie sie in räumliche Anordnungen übersetzt. Dabei ist zweifellos nicht nur die Aufzeichnung eine (Re-)Konstruktion, sondern auch die Erinnerung. Es gibt in diesen Bildern keine Auflösung ins Sprachliche und die Geschichten, die sie auf so seltsam schweigsame Art erzählen, bleiben rätselhaft. Dennoch führen sie an wohl vertraute Orte. Orte, die ganz offensichtlich in der sichtbaren Welt und doch zugleich ganz wo anders liegen. Der Vorgang des Zeichnens, als Schraffur, als Strich, als Linie, als konzentrierte Anwesenheit, bleibt immer präsent und kann im wörtlichen Sinne als Verdichtung verstanden werden. Eine Verdichtung im Bild, die wiederum eher auf das Sehen, als auf die Träumerei verweist.
Nina Jäger
Space has always reduced me to silence. Jules Vallès
How can we gain access to a landscape that is no longer the one we see, but on the contrary the one in which we are seen? Gilles Deleuze
If immensity according to Gaston Bachelard is a philosophical category of daydreaming, could the mapping, measuring or unfolding of the space in Natasha Poetz's drawings be considered an attempt to face this immensity? It might be somewhat misleading to evoke the concept of daydreaming here as these drawings are not so much inspired by dreams or illusions but rather by memories of concrete situations. "But is this really memory? Isn’t imagination alone able to enlarge indefinitely the images of immensity?" Bachelard questions and notes further: "In point of fact, daydreaming, from the very first second, is an entirely constituted state. We do not see it start, and yet it always starts the same way, that is, it flees the object nearby and right away it is far off, elsewhere, in the space of elsewhere." - Far off in the space of elsewhere. This is perhaps the most adequate sphere for a passenger, his vanishing point. Natasha Poetz's drawings are like indexes of intensities. Localisations. The distorting topographies with obvious leaps in scale arouse the oneiric notion of being here and there at the same time. The artist traces and reconstructs experiences by translating them into spatial settings. Certainly not only the drawing (the trace) can be considered a (re-)construction but also the memory itself. There is no verbalised nor verbalisable narrative in these images. The stories they silently tell remain enigmatic and obscure. Nonetheless they lead to familiar places. Places clearly located in the visible world. And yet they are elsewhere. The process of drawing, in hatchings, in lines, in traces of presence, is always apparent and can be seen as a process of condensation. A condensation to an image and a return to the act of seeing, away from the daydream.
Nina Jäger
Biografie
1973 in Frankfurt am Main geboren
1992-94 Ausbildung zur Bauzeichnerin in Saarbrücken
1994-95 Architekturstudium an der Universität Kaiserslautern
1995-2001 Studium an der HBK Saar bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Ulrike Rosenbach
1997 Mitbegründerin des "Ausstellungsraum-SB", Saarbrücken
2001 Diplom an der HBK Saar. Thema der Diplomarbeit "was ich meine ist eine Art des Schauens", anschließend Vertiefungsstudium bei Prof. Daniel Hausig
1999-07 Mitarbeiterin der Galerie St. Johann, Saarbrücken
lebt und arbeitet in Berlin
Ausstellungen
Einzelausstellungen
2001 was ich meine ist eine Art des Schauens, K4-Forum, Saarbrücken
2005 Galerie de Aanschouw, Rotterdam, Niederlande (
2009 Kunstcentrum Koffie Verkeert, Rotterdam, Niederlande
2011 WELT REISEN ALBUM, Galerie wolkenbank, Rostock und Galerie Kvant, Berlin
Ausstellungsbeteiligungen
1997 "flattern surren zubereiten", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
"Im Dunkeln", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
"Ausstellung zum Förderstipendium 1996", Kunstzentrum Bosener Mühle
1998 "Malersommer Völklingen", Handwerkergasse Völklingen
"Finale", Ausstellungsraum-SB, Saarbrücken
"Der dramatische Kreis", LPM Saarbrücken-Dudweiler
1999 "Kunst im Kasten", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
Ausstellung mit Werner Constroffer in der wasserundbrotmaschine, Galerie Peter Dörr, Saarbrücken
2000 "mediasplit", Deutsche Bank Saar, Saarbrücken
"vita brevis - kurzes Leben", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
2001 "punkt iks", Fotografische Dokumentation zu drei Industriestandorten im Saarland auf dem Gelände der stillgelegten Grube Göttelborn
"projekt wzgórza trzy", Lipnica Murowana und Krakau, Polen
"Gegen den Strich", Frauenmuseum Bonn
2002 Ausstellung mit Studenten der HBK Saar zu einem Workshop auf der Grube Göttelborn
"wem ich begegnet bin", Jahresausstellung der Galerie K4, Saarbrücken
2003 Jahresausstellung der Galerie St. Johann, Saarbrücken
"Über Tage", Ausstellung auf der stillgelegten Grube Göttelborn
Stand der Galerie K4, art.fair Köln
2004 "Aus der Serie", K4 galerie, Saarbrücken, Stand der Galerie K4, Art Frankfurt
"Kopf treibt blüte 1", schaubar, Saarbrücken
"zoom 2004", T-Systems, Saarbrücken
2005 "ici l'ombre du castel coucou", Carreau Wendel, Frankreich
2006 "open II", Atelier Véronique Verdet, Saarbrücken
2007 "Wald und Forst, Hirsch und Hase", Galerie Besch, St. Ingbert
à travers champs - querfeldein, mit Andrea Neumann und Maja Sokolova, Centre d' Art Contemporain du Luxembourg Belge, Jamoigne, Belgien
2008 "Gosz Rausch 3", Museum Gosz, Saarbrücken
"Dein Land macht Kunst", Landeskunstausstellung des Saarlandes, Museum St. Wendel
"Dessin", Galerie Oeil, Forbach, Frankreich
2009 Ausstellung mit Birgit Schlieps, Galerie Kvant, Berlin
2010 "angezettelt, 25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus", Saarbrücken
Bibliografie
Monografie
Sammelschriften
Homepage
Quelle
Redaktion: Claudia Maas
letzte Änderung: Donnerstag, 24.11.2011