Claudia Vogel, 2007
o. T., 2006, Holz, Schnur, 17 x 24 x 5 cm
o. T., 2006, Metallgitter, Öl, je 20 x 20 cm
o. T., 2006, Metallgitter, Öl, 20 x 20 cm
o. T., 2006, Metallgitter, Öl, Schnur, 70 x 65 cm
o. T., 2006, Jute, Öl, 40 x 30 cm
ohne Titel, 2010, Kunststoff und Jute, je 20 x 30 cm
Stichproben, 2010-2011Garn auf Papier, 21 x 29,7 cm
Stichproben, 2010-2011 Garn auf Papier, 21 x 21 cm
Stichproben, 2010-2011 Garn auf Papier, 21 x 21 cm
Die aktuelle Ausstellung der Künstlerin Claudia Vogel im Kulturfoyer Saarbrücken heißt "Stichproben". Der Titel verweist auf die auffälligen Materialität der Kunstwerke, bei deren Entstehung die Künstlerin den Umgang mit den Bildmitteln erprobt. Sie stellt sich in ihren Werkstücken die Frage nach der Arbeit mit bzw. am Bild. So erörtert sie in der Bildfindung intensiv alle, das Bild definierenden Kategorien: Claudia Vogel widmet sich dem Thema der Bildbegrenzung bzw. der Sichtbarmachung der das Bild konstituierenden Elemente, beispielsweise der Rahmenkonstruktion. Zudem zeugen die Arbeiten von einer starken Konzentration auf die Farbigkeit und auf eine sorgfältige Auswahl der materiellen Bildmittel, welche den Bildern gleichermaßen ein Höchstmaß an Stofflichkeit und Plastizität verleihen. Insbesondere die Ergründung der Bildtiefe, welche die Künstlerin in ihren Werken durch die sukzessive Erfassung verschiedener Bildebenen formuliert, ist kennzeichnend für die Arbeiten.
Die Künstlerin arbeitet parallel an verschiedenen Bildlösungen, von denen sie Stichproben in der Ausstellung zeigt. Innerhalb einer Werkgruppe bespannt die Künstlerin hölzerne Rahmen mit feinmaschigen Textilien oder Netzen, die eine rasterartige Struktur als Bildgrund vorgeben. Durch diese feinmaschigen Gewebe reibt Claudia Vogel die Farbe von der Bildrückseite, welche an der Oberfläche die Bildstruktur hervorbringt. Sie benutzt in dieser Technik Ölfarben oder flüssige Kunstharze, welche während des zeitintensiven Gestaltungsprozesses aushärten. Der Ausstellungstitel „Stichproben“ lässt sich im eigentlichen Wortsinn auf die Entstehung dieser Arbeiten beziehen, denn der Begriff der Stichprobe bezeichnet eine beim Aufließen flüssigen Materials entnommene Probe. So sind die Werkstücke dieser Gruppe von Arbeiten charakterisiert durch die Verschiedenartigkeit der verwendeten Bildmittel: Abhängig von den Materialien, dem Grundraster des Trägermaterials und der stofflichen Konsistenz der Farben bzw. Kunstharze ergibt sich eine stark strukturierte Bildoberfläche. Die Kunstwerke Claudia Vogels weisen zum Teil organisch oder vegetabil anmutende Bildstrukturen auf, die wegen der intensiven Farbigkeit zugleich eine artifizielle Stilisierung erfahren. Mit diesen Bildfindungen tarriert die Künstlerin die Gestaltungsmöglichkeiten der Bildmittel, des vorgegebenen, orthogonalen Rasters und des freien, intuitiven Umgangs mit der Farbe, aus. Die Kunstwerke weisen eine enorme Tiefenräumlichkeit auf, die von der Konsistenz und Menge des verwendeten Materials abhängt.
In ähnlicher Weise in die Bildtiefe geführt wirken andere Kunstwerke Claudia Vogels, die zeitgleich entstehen und in denen die Künstlerin den Umgang mit textilen Materialien in Form von farbigen Garnen erprobt. Bei diesen Arbeiten konzipiert die Künstlerin einen Bildraum von einigen Zentimetern Tiefe, den sie durch eine Rahmenkonstruktion aus vier Holzleisten begrenzt. Mit farbigen Textilien formuliert Claudia Vogel die Kunstwerke, indem sie Garne zwischen den Bild begrenzenden Elementen spannt. Im Gegensatz zum klassischen Tafelbild erschließt Claudia Vogel mit Ihren Bildkonzeptionen die Bildtiefe, da sie auf die Zweidimensionalität des Bildgrundes als Fläche verzichtet. Die Künstlerin spinnt ein Farbnetz mit einem Höchstmaß an Farbdichte in vielschichtigen Bildebenen. Ist es der mehrdiminesionale Farbraum, der diese Arbeiten prägt, so tritt in der jüngsten Werkgruppe erneut der Aspekt der Farbigkeit, insbesondere der Mehrfarbigkeit in den Vordergrund.
Claudia Vogel widmet diese zumeist kleinformatigen Arbeiten dem Umgang mit farbigen Synthetik- oder Seidengarnen. Den Bildträger bildet ein stabiler Karton, den sie mit einer Nadel in einem Rasterabstand von 5 oder 10 mm perforiert. In höchster Präzision und doch nicht absolut der Geometrie folgend, führt die Künstlerin den farbigen Faden von Rasterpunkt zu Rasterpunkt. Auch hierauf lässt sich der Ausstellungstitel "Stichproben" beziehen. So entsteht eine wohl kalkulierte und doch frei aus der Hand geschaffene Linienführung. Durch das farbige Garn, welches das Licht in unterschiedlichem Maße reflektiert, entsteht eine höchst interessante Farbwirkung, die durch den Betrachtungsabstand vom Kunstwerk maßgeblich beeinflusst wird. Aus der Nähe besehen, treten die farbigen Linien vor dem weißen Bildgrund deutlich in Erscheinung. Mit zunehmender Entfernung vom Kunstwerk stellt sich eine schimmernde Farbwirkung ein; der Bildgrund scheint die Farbigkeit des Garns zu reflektieren und evoziert im Auge des Betrachters den Effekt einer immateriell schwebenden Farbfläche. Insbesondere in den mit zwei unterschiedlich farbigen Garnen formulierten Werken scheint die Farbe zu fluktuieren, die Kompositionen wirken bewegt und von kaum beschreibbarer Leichtigkeit.
Im Gegensatz zur pastosen Farb- und Materialfülle der Öl- und Kunstharzbilder, erzielt Claudia Vogel mit den textil formulierten Werken, feinstnuancierte Farbaussagen. Dennoch ist der die Werkgruppen verbindende gedankliche Zusammenhang stets nachempfindbar: Die Stichproben zeugen vom intensiven Interesse an Farben und Strukturen, formuliert zwischen kalkulierter Strukturhaftigkeit und freier Bildwerdung.
Sandra Kraemer
Biografie
1975 in Bernburg, Saale geboren
2001 Studienbeginn an der Hochschule der Bildenden Künste Saar im Fachbereich Freie Kunst bei Prof. Sigurd Rompza
2003 Gastsemester an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Helmut Federle
2006 Diplom bei Prof. Sigurd Rompza. Titel der Diplomarbeit: "Am Bild arbeiten"
2004-10 Mitarbeiterin der Galerie St. Johann, Saarbrücken
2011 Förderstipendium der Landeshauptstadt Saarbrücken
lebt und arbeitet in Saarbrücken
Ausstellungen
Einzelausstellungen
2005 Diplomausstellung "Am Bild arbeiten" Galerie St. Johann, Saarbrücken
2009 "zu zweit", Galerie Grewenig/Nissen, Heidelberg-Handschuhsheim
2011 "Objekte", Kulturfoyer, Saarbrücken
"Rakel und Faden - Malerei und Objekte von Dirk Rausch und Claudia Vogel", Galerie in der Aula, Sulzbach
Ausstellungsbeteiligungen
2004 "Fabriqué en Sarre", Galerie St. Johann, Saarbrücken
2005 "Kunstkiosk", Atelier Verdet, Saarbrückenn
"Multiple Objekte", Galerie St. Johann, Saarbrücken
2006 "Arbeiten von Studierenden aus dem Atelier von Prof. Sigurd Rompza", Internationales Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl, Wadern
Ausstellung anlässlich des Kulturmeilenfestes, SR Kulturpicknick, Hochschule für Musik, Saarbrücken
"von hier aus", Werke von Künstlerinnen der hbksaar, Ministerium der Finanzen, Saarbrücken
"Wunderkammer" Galerie St. Johann, Saarbrücken
2007 "Welcome to our Neighbourhood", Stadtgalerie Saarbrücken
"Vogel - Rausch", mit Dirk Rausch, Atelier Verdet, Saarbrücken
"frisch gestrichen", Galerie St. Johann, Saarbrücken
2008 "Rationale II", Frauenmuseum Bonn
"farbe", Galerie St. Johann, Saarbrücken
"Petersburg..." Jahresausstellung 2008, Galerie St. Johann, Saarbrücken
2009 "Positionen Konkreter Kunst Kunst heute", Landesmuseum Mainz
"Arbeiten auf Papier - konkret", Galerie St. Johann
"Reconnaître", Kunsthalle Paks
2010 "Positionen Konkreter Kunst Kunst heute", Galerie Grewenig/Nissen, Heidelberg-Handschuhsheim
2011 "Stichproben", Kulturfoyer Saarbrücken
Editionen
Bibliografie
Sammelschriften
Quelle
Redaktion: Sandra Kraemer
letzte Änderung: Donnerstag, 08.09.2011