Alfons Fontaine. Foto: Privatbesitz

Alfons Fontaine 

"Altes Paar", Bleistift auf braunem Papier, 38 x 29 cm, Privatbesitz

"Altes Paar", Bleistift auf braunem Papier, 38 x 29 cm, Privatbesitz 

"Die Krakauer Equipage auf dem Weg zu dem Gut des Sotnik", Tusche, Papier, 23,9 x 17 cm, Privatbesitz. Foto: Christian Schu

"Die Krakauer Equipage auf dem Weg zu dem Gut des Sotnik", Tusche, Papier, 23,9 x 17 cm, Privatbesitz 

"Landsweiler-Reden", 1953, Aquarell, Papier, 26,3 x 39 cm, Privatbesitz. Foto Erich Müller

"Landsweiler-Reden", 1953, Aquarell, Papier, 26,3 x 39 cm, Privatbesitz 

"Am Trajansforum", Tintenstift, Papier, 36 x 48 cm, Privatbesitz. Foto: Christian Schu

"Am Trajansforum", Tintenstift, Papier, 36 x 48 cm, Privatbesitz 

"Der Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona in Rom", Tusche, laviert, 48 x 36 cm, Privatbesitz. Foto: Christian Schu

"Der Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona in Rom", Tusche, laviert, 48 x 36 cm, Privatbesitz 

"Das Straßburger Münster", 1994, Tintenstift mit Weißhöhungen, Papier, 62 x 48 cm, Privatbesitz. Foto: Erich Müller

"Das Straßburger Münster", 1994, Tintenstift mit Weißhöhungen, Papier, 62 x 48 cm, Privatbesitz 

"Denting, 25.5.95", 1995, Tintenstift, Papier, 36 x 48 cm, Privatbesitz. Foto: Erich Müller

"Denting, 25.5.95", 1995, Tintenstift, Papier, 36 x 48 cm, Privatbesitz 

"Der Große Markt in Saarlouis", 1980, Tintenstift, Papier, 48 x 36 cm, Privatbesitz. Foto: Christian Schu

"Der Große Markt in Saarlouis", 1980, Tintenstift, Papier, 48 x 36 cm, Privatbesitz 

Fontaine, Alfons

Letzte Änderung: 08/02/2015

Von Anfang an begriff sich Alfons Fontaine als Kunstpädagoge. Früh hegte er den Wunsch, Kunsterzieher zu werden. So studierte er nach dem Krieg zunächst in Saarbrücken an der neugegründeten "Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk", dem "Centre de Métiers d’Art Sarrois". Die dort gepflegte, für alle Zweige verbindliche Grundlehre (Boris Kleint), die den Ideen des Bauhauses verpflichtet war, lehnte Fontaine als "indoktrinierendes Lehrmodell" ab. In Saarbrücken studierte er bei Karl Kunz, der einen eigenen Grundlehre-Unterricht gab, im Folgenden ein Semester bei Frans Masereel, dem figurativ arbeitenden Gegenpol zu Boris Kleint, wechselte aber schon nach dem dritten Semester an die soeben wiedererrichtete Kunsthochschule Karlsruhe, wo er bei Karl Hubbuch studierte.

 

In ihm hatte Fontaine nun einen Lehrer gefunden, bei dem er sich nicht der Bauhauslehre unterworfen fand. Dieser bedeutende Zeichner hatte Fontaine tief geprägt, der ganz in der Nachfolge seines Lehrers künftig dem Figuralen verbunden blieb. Nach alter Gepflogenheit widmete sich Fontaine an der Akademie dem Aktstudium. Seine Aktzeichnungen, in denen Fontaine komplizierte Haltungen studierte, bezeugen sein frühes Interesse an Perspektive. Etwa in der eindringlichen Bleistiftzeichnung Altes Paar, spricht sich der soziale Impetus aus, der schon das Werk seines Lehrers Karl Hubbuch kennzeichnete. Sein Studium schloss Alfons Fontaine mit einer Mappe von 20 Illustrationen zu Nikolaj Gogols Erzählung "Wij, der König der Erdgeister" ab.

Von Karl Hubbuch hatte Fontaine seine Prägung als Zeichner erfahren, und mit dem Blick des Zeichners entdeckte Fontaine nun das Thema der Kulturlandschaft. So entstanden seit den 50er Jahren Darstellungen der Industrielandschaft an der Saar, anknüpfend an Fritz Zolnhofer. Es ist für sein Werk charakteristisch, dass er sich, wie in einer Reihe von Ansichten von Landsweiler-Reden, immer wieder dem gleichen Motiv unter je verschiedenem Blickwinkel widmet, bisweilen in unterschiedlicher Technik.

Fontaine ist unermüdlich gereist. Ausgedehnte Reisen führten ihn seit den 1950er Jahren nach Südfrankreich, nach Italien, Spanien und Griechenland. In diesen Ländern suchte er die künstlerischen Meisterleistungen der abendländischen Kultur auf: in Venedig, Rom, Athen oder Paris. Er besuchte die Schlösser der Loire, und, ein seinerzeit aufwendiges Unterfangen, die DDR und Prag.

Seine größte Liebe aber galt Rom, das er viele Male besucht hat. In Rom verbinden sich die antiken Wurzeln mit den christlichen. Und so gelangen in seinen Zeichnungen die allgegenwärtigen christlichen und antiken Stätten unwillkürlich in ein gemeinsames Blickfeld. In geradezu selbstverständlicher Gleichzeitigkeit existieren Aktualität und Historie: Autos sind keineswegs Störenfriede in seinen Stadtansichten und die Monumente Teil der Gegenwart.

Seit 1977 entstanden Serien von Zeichnungen der französischen Kathedralen, von den Kathedralen der Ile-de-France bis zur Kathedrale von Metz und dem Straßburger Münster, eine zentrale Werkgruppe in Fontaines Schaffen. Die filigranen Strukturen der gotischen Architektur und das reiche lebendige Spiel von Licht und Schatten – etwa auf einer Fassade – sind für einen Zeichner eine Herausforderung. Hier konnte Fontaine sein ganzes Können unter Beweis stellen.

In den Darstellungen lothringischer Orte erweist sich Fontaine als Kenner der Kunstgeschichte seiner Gegend. Seit den 1970er Jahren erkundete Alfons Fontaine – bis in sein letztes Lebensjahr – die Landschaft an Nied und Meuse, zeichnete in dieser Gegend zahllose Orte, die heute in Vergessenheit geraten sind und Gefahr laufen, aus dem historischen Bewusstsein zu treten. Er hielt die vom Verfall bedrohten, im Verfall begriffenen Zeugnisse menschlichen Schaffens fest. Autos wirken an solchen Orten nur mehr wie beiläufige Spuren von Belebtheit, ein Traktor, ein altertümlicher, abgestellter Heuwender müssen erst entdeckt werden. Selten bevölkern Menschen diese Bildwelt. Fontaine entstammte selbst einem Ort unweit der französischen Grenze, Harlingen bei Merzig, dessen Gepräge den benachbarten Lothringischen Dörfern ähnelte. Er mag immer auch seine eigene Herkunft befragt haben, wenn er in den Portraits dieser alten Orte den kulturellen und geographischen Zusammenhängen nachspürte.

 

Wenn Fontaine auch Ölgemälde und – bezeichnenderweise in Venedig – Aquarelle schuf, begriff er sich doch vor allem als Zeichner. Bisweilen entstanden druckgrafische Arbeiten. Die beiden Saarlouismappen aus den Jahren 1976 und 1979 oder etwa Illustrationen zu Alfred Guldens "Om Grooßen Määat" (1980), machten das Werk Fontaines einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Überwiegend aber zeichnete er in Tusche oder mit einem Flomaster-Tintenstift, dessen Filz weiche, wässrige Linien mit weichen Konturen und unterschiedlichen Helldunkelstufungen hervorzubringen vermochte, sodass solche Zeichnungen zu malerischer Wirkung gelangen. Wichtig war Alfons Fontaine dabei das, wie er sagte, "Können", das sich freilich nicht auf technische Fähigkeiten reduziert. Vielmehr vermag der Künstler mittels der Technik das Wesen des darzustellenden Gegenstandes zu erfassen. Dies aber setzt langes Studium und lange Beobachtung des Motivs voraus, ehe er sich die zeichnerische Aufgabe stellt und die Zeichnung dann in raschen und sicheren Zügen hinsetzt. Es entstehen auf diese Weise lebendige Kompositionen von Landschaften, die, vom Menschen geprägt, selbst im umfassenden Sinne zu Persönlichkeiten geworden sind.


"Ich registriere die Welt eher mit den Reizen des augenblicklichen Erlebens, in der Wahrnehmung des Verklingens der Kultur einer Stadt, eines Dorfes, einer Kulturlandschaft, die alle einmal die vordringlichen und bedeutendsten Leistungen der sich entwickelnden abendländischen Kultur waren." (Alfons Fontaine, unveröffentlicht)

 

Thomas Wiercinski

 


Biografie
1923 Alfons Donatus Fontaine wird in Merzig-Harlingen geboren. Er verbringt die weitere Kindheit in Saarlouis-Roden
1942 Abitur in Saarlouis
1942-45 Kriegsdienst. Nach dem Krieg Rückkehr nach Roden. Er will Kunsterzieher werden
1946 Studium in Saarbrücken am neugegründeten "Centre de Métiers d’Art Sarrois" bei Karl Kunz und Frans Masereel. Er lernt die künftige Ehefrau Martha Biering kennen.
1948 Wechsel an die Kunstakademie Karlsruhe zu Karl Hubbuch. Studium der Geographie an der Technischen Hochschule Karlsruhe
1954 Fontaine wird Kunsterzieher in Neunkirchen/Saar
1963 Rückkehr nach Saarlouis, wo er als Kunsterzieher unterrichtet. Seit den 1960er Jahren intensive Beschäftigung mit Lothringen und dem Saarland
1972 Er wird Fachberater für Kunsterziehung der Regierung des Saarlandes. Er schließt sich der "Künstlergruppe Unterere Saar" an
1974 Gründungsmitglied der "Künstlergruppe Untere Saar e.V.", aus der er sich 1985 wieder zurückzieht

In den folgenden Jahren neben der Tätigkeit als Gymnasiallehrer vielfältige pädagogische Aktivitäten: Dozenturen bei Akt-, Portrait-, Landschafts- und Perspektivkursen, Sommerakademien und Symposien
1977 Er bereist die Kathedralen der Ile-de-France.Die "Kathedrale" wird zentrales Thema
1978 Reise nach Griechenland
1979 Reise in die DDR
1981 Reise nach Prag
1994/95 Reges künstlerisches Schaffen. Er zeichnet insbesondere in Nordwest-Lothringen. Reise in die Provence (Luberon)
1996 in Saarlouis gestorben


Ausstellungen

 

Einzelausstellungen
1994 "Kirchen und Dörfer – lothringische Skizzen", 27.11.-11.12., Großer Sitzungssaal, Landratsamt Saarlouis
2006 "'Les cathédrales …' Alfons Fontaine (1923-1996). Zeichnungszyklen Kathedralen Frankreichs Lothringische Landschaften", eine Ausstellung im Rahmen des Deutschen Katholikentages Saarbrücken 2006, Ludwigsgymnasium, Saarbrücken
2007 "Alfons Fontaine – Zeichner und Maler", 17.06.-15.07., Atelier im Museum Haus Ludwig für Kunstausstellungen, Saarlouis

 

Ausstellungsbeteiligungen
1980 "Stadtbilder Saarlouis 1980", 04.10.-30.10., Hofhausgalerie Saarlouis-Beaumarais, veranstaltet von der Künstlergruppe Untere Saar und der Sparkasse Saarlouis. Symposium Saarlouis 300, Werktag der Künstler, hrsg. v. der Künstlergruppe Untere Saar e.V. Saarlouis, Saarlouis
Jahresausstellung der Künstlergruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
1981 "Fischbach- und Sulzbachtal – Ergebnisse des Künstlersymposiums 1981", 28.11.-29.11. Stadtverband Saarbrücken, Schlosskeller, Saarbrücken
"Berus und Umgebung", Ausstellung der Künstlergruppe Untere Saar e.V. zu 400 Jahre Erneuerung der Stadtrechte Berus, Haus Bergfried, Berus
1982 Jahresausstellung 82 der Künstlergruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
Ausstellung der Künstlergruppe Untere Saar, 16.03-26.03., Hörfunkgebäude, Funkhaus Halberg, Saarbrücken
1983 Jahresausstellung der Künstlergruppe Untere Saar, 27.11.-18.12., Atelier der Künstlergruppe Untere Saar, Theater am Ring, Saarlouis
1984 X. Jahresausstellung der Künstlergruppe Untere Saar 1984, 25.11.-16.12., Theater am Ring, Saarlouis
1985 11. Jahresausstellung der Künstlergruppe Untere Saar e.V. Saarlouis, 24.11.-15.12., Saarlouis

2014 "Standpunkte 40 Jahre Künstlergruppe Untere Saar", Museum Haus Ludwig, Saarlouis


Bibliografie
Monografien

  • Thomas Wiercinski (Hg.): Alfons Fontaine. Peintre – Zeichner – dessinateur – Maler. Publikation anlässlich der Ausstellung "Alfons Fontaine, Zeichner und Maler", Atelier im Museum Haus Ludwig für Kunstausstellungen, Saarlouis 2007.
    Mit Beiträgen von
    - Alfred Gulden: Aus tausend Strichen eine (kleine) Welt, S. 28-31
    - Hans Jörg Schu: Erinnerungen an Alfons Fontaine, S. 23-25
    - Thomas Wiercinski: Alfons Fontaine - Zeichner und Maler, S. 6-14

Sammelschriften

  • (BfF): Jahresausstellung unserer Künstlergruppe. In: Der Saar-louis, Jg. 1, Nr. 2, 12.12.1977, S. 15, 17
  • Stadtbilder Saarlouis 1980. Ausstellung vom 4. Oktober bis 30. Oktober in der Hofhausgalerie Saarlouis-Beaumarais, veranstaltet von der Künstlergruppe Untere Saar und der Sparkasse Saarlouis. Symposium Saarlouis 300, Werktag der Künstler. Hg. von der Künstlergruppe Untere Saar e.V. Saarlouis, S. 20
  • Historischer Festzug. 300 Jahre Saarlouis. Hg. Kreisstadt Saarlouis, Saarlouis 1980, passim
  • (lm.): Künstler sehr zufrieden. Ausstellung "Berus und Umgebung", Saarbrücker Zeitung vom 29.9.1981
  • "Kirchen und Dörfer – lothringische Skizzen", Faltblatt zur Ausstellung, 27.11.1994-11.12.1994, Großer Sitzungssaal,  Landratsamt Saarlouis, Saarlouis 1994, Einführung Leander Fontaine
  •  25 Jahre Künstlergruppe Untere Saar e.V. Der Neubeginn nach 1945. Die Galerie im Museum Haus Ludwig Saarlouis. Die Internet Galerie der Künstlergruppe. Hg. Künstlergruppe Untere Saar e.V., Ausstellungskatalog o. O. 2000, S. 5
  • "'Les cathédrales …' Alfons Fontaine (1923-1996). Zeichnungszyklen Kathedralen Frankreichs Lothringische Landschaften." Faltblatt zur Ausstellung im Rahmen des Deutschen Katholikentages Saarbrücken 2006, Ludwigsgymnasium, Saarbrücken, Einführung Thomas Wiercinski
  • Standpunkte 40 Jahre Künstlergruppe Untere Saar. Museum Haus Ludwig (Hg.) . Saarlouis 2014, S. 31, 43

 


Filmbeiträge

  • SR, Aktueller Bericht


Publizierte Buchillustrationen

  • "Om Grooßen Määat" Illustrationen zu Alfred Guldens Langgedicht "Om Grooßen Määat". In: Alfred Gulden: Om Grooßen Määat. Zeichnungen von Alfons Fontaine. Saarbrücken 1980

 

 

Quelle

  • Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand: Fontaine, Alfons (Dossier 482)

 

 

Thomas Wiercinski


COPYRIGHT ©

Institut für aktuelle Kunst im
Saarland an der Hochschule
der Bildenden Künste Saar

Choisyring 10
66740 Saarlouis
49 (0) 6831 - 460 530

Facebook

Besuchen Sie uns auf facebook

Ihre Partner für Typo3 - Saar - Saarland - Saarbrücken

Dieses Projekt wird gefördert durch ZMP Solutions Gmbh - Saarbrücken.